OPEC will Fördermenge drastisch kürzen

10. Oktober 2006, 19:21
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Um den Ölpreis über dem Niveau von 50 bis 55 Dollar zu halten, muss die Produktion um eine Million Barrel täglich gesenkt werden

London/Dubai - Die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) will Kreisen des Kartells zufolge erstmals seit zwei Jahren ihre Fördermenge deutlich reduzieren, um den Ölpreisverfall zu stoppen. Die OPEC habe das Ziel, die tägliche Produktion so schnell wie möglich um eine Million Barrel (1 Barrel = 159 Liter) oder etwa vier Prozent zu drosseln, sagte ein hochrangiger Vertreter der Organisation am Donnerstag.

Am exakten Termin dafür werde noch gearbeitet. Neben dem weltgrößten Öl-Exporteur Saudi-Arabien seien fast alle OPEC-Länder zu einer Reduzierung bereit. Der Ölpreis legte angesichts dieser Aussicht um mehr als einen Dollar zu.

Um den dramatischen Preisrückgang um 25 Prozent seit Mitte Juli aufzuhalten, wäre OPEC-Beobachtern zufolge eine Reduzierung der täglichen Öl-Fördermenge um mindestens eine Million Barrel nötig. Das aus elf Mitgliedern bestehende Kartell produziert mehr als ein Drittel des weltweiten Erdöls. Die nächste Sitzung der Organisation ist für den 14. Dezember in Nigeria anberaumt. Eine Drosselung wäre die erste seit April 2004. Die offizielle Förderquote der OPEC liegt derzeit bei 28 Mio. Fass pro Tag.

Preisverfall seit dem Sommer

Angesichts des Preisverfalls von 20 Dollar seit dem Rekordständen im Sommer haben einige OPEC-Länder wie Nigeria und Venezuela ihre Förderung bereits gedrosselt. Doch dies konnte den Abwärtstrend nicht aufhalten. Dieser beruht vor allem auf einer Entspannung der Lage im Nahen Osten, steigenden US-Ölvorräten und einer Abkühlung der US-Wirtschaft. Die USA sind der weltgrößte Öl-Verbraucher.

Vor allem die hohen Ölvorräte bereiteten den OPEC-Ländern Sorgen, erklärte der OPEC-Vertreter. Allein Saudi-Arabien sei daher zu einer Reduzierung um 300.000 Barrel pro Tag bereit. "Die Verhandlungen zwischen den OPEC-Ländern sind noch im Gange", sagte ein weiterer OPEC-Vertreter. Analysten zeigten sich überzeugt, dass die OPEC mit dem derzeitigen Ölpreisniveau unzufrieden ist. "Sie haben festgestellt, dass die Weltwirtschaft auch bei einem Ölpreis von 65 bis 75 Dollar läuft, daher wollen sie den Preis nicht weiter sinken sehen", sagte Andrew Harrington von der ANZ Bank.

Am Donnerstag führte die Ankündigung der OPEC-Vertreter zu einer Umkehr der jüngsten Preis-Talfahrt. Der Preis für US-Öl kletterte um 1,30 Dollar auf 60,72 Dollar (47,87 Euro). Nordsee-Öl der führenden Marke Brent verteuerte sich um 1,50 Dollar auf 60,70 Dollar. Im Juli kostete Öl noch mehr als 78 Dollar und damit so viel wie noch nie. (APA/Reuters)

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