Stadt ist auf den Hund gekommen: Ohne Sackerl drohen 72 Euro Strafe

4. Oktober 2006, 19:41
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Ulli Sima: "Wir werden so lange nerven, bis jeder Hundebesitzer selbstverständlich die Hinterlassenschaft seines Hundes entsorgt"

Wien - Von allen Tierarten, die mit ihren Besitzern Bettvorleger und Leben teilen, wird in Wien dem Hund die größte Aufmerksamkeit zuteil. Kein Wunder also, dass der diesjährige Welttierschutztag am Mittwoch inoffiziell in seinem Zeichen begangen wurde. Umweltstadträtin Ulli Sima (SP) stellte an diesem Tag die lang geplante Hundekampagne der Stadt vor, mit Zoodirektor Helmut Pechlaner und Thomas "die Etikette" Schäfer-Elmayer als prominentem Aufputz.

Griff ins Sackerl

"Nimm ein Sackerl für mein Gackerl", dieser Slogan im Maul eines Terriers soll auf Plakaten, Wiesensteckern und als Pickerl auf Mistkübel geklebt, in den kommenden Wochen und Monaten das Stadtbild prägen. Prägen allein wäre allerdings zu wenig. Hundebesitzer sollen beim "Äußerln" tatsächlich auch den Griff ins Sackerl und dann nach dem Hundekot machen. "Wir werden so lange nerven, bis jeder Hundebesitzer selbstverständlich die Hinterlassenschaft seines Hundes entsorgt", sagt Sima höflich, aber bestimmt.

Hundeautomaten mit gratis Sackerln

1500 Wiesenstecker werden von den Mitarbeitern des Wiener Stadtgartenamtes an jene Stellen gebracht, die in den Bezirken als Hundezone gelten - egal ob ausgewiesen oder nicht. Doch so leicht entwischen die schwarzen Schafe unter den Hundebesitzern der Kampagne nicht. Plakate und City-Light-Inserate, Hundeautomaten mit gratis Sackerln und das schlechte Gewissen sollen das Verantwortungsgefühl wecken. Wen auch das nicht nach den Würsteln greifen lässt, der wird bestraft. Laut Straßenverkehrsordnung stehen auf das Zurücklassen der Trümmerln bis zu 72 Euro Geldstrafe.

396 Automaten in Wien

Damit es so weit nicht kommt, empfiehlt Thomas Schäfer-Elmayer mit dem Hund auch Sackerl mitzuführen. Das ist auch für Helmut Pechlaner die naturschonende Variante. Ansonsten gibt es in ganz Wien verteilt 396 Automaten, die auch mit dem schlappohrigen Terrier-Sujet beklebt werden.

Sollten die Sackerln einmal ausgehen, so wähle man einfach die Nummer des Misttelefons (01/54648) und melde mit Angabe der Automatennummer das Fehlen der Säckchen, empfiehlt Rudi Mathias von der Pressestelle des Wiener Rathauses.

Die Kampagne sei nicht gegen die Hundehalter gerichtet, betonte Sima. Die Stadt tue von der Einrichtung der Hundezonen bis zur Verteilung der Gratissackerln viel für ein friedliches Miteinander. Nun müssten auch Hundebesitzer einen Beitrag dazu leisten. Die Kampagne ist eine Reaktion auf die Initiative von Petra Jens, die mit anderen Eltern 157.631 Unterschriften gegen die Verkotung der Stadt gesammelt und diese Maßnahmen erwirkt hatte.

Trümmerllage

Andere Städte wie Graz oder Baden zogen weniger erfolgreich nach. Um zu messen, ob sich im subjektiven Befinden der Stadtbewohner die Trümmerllage gebessert hat, wurde eine Befragung unter 500 Menschen durchgeführt. Der Vergleich wird Ende des Jahres nach einer weiteren Umfrage gezogen. Ob diese Kampagne wirkt, wird sich noch zeigen. Zahlreiche Aktionen hat es diesbezüglich schon gegeben. Alt-Bürgermeister Helmut Zilk hatte etwa den französischen Dogofanten, einen Kotstaubsauger, ankaufen wollen. Der Wiener Hundekot stellte sich aber als zu zäh heraus. (Marijana Miljkovic, DER STANDARD Printausgabe 5.10.2006)

  • Ein Terrier ist das Model des neuen Anti-Hundekot-Sujets, das von nun an das Wiener Stadtbild prägen wird. Im Sinne des Miteinanders soll nach den Würsteln gegriffen werden.
    foto: standard/ robert newald

    Ein Terrier ist das Model des neuen Anti-Hundekot-Sujets, das von nun an das Wiener Stadtbild prägen wird. Im Sinne des Miteinanders soll nach den Würsteln gegriffen werden.

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