Gratiszeitungen für den Müll

6. Oktober 2006, 19:24
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Linz hat ein Abfallproblem: Seit es Gratiszeitungen gibt, klagen die Verkehrsbetriebe über ein Verdrecken der Haltestellen

Linz – „Warum fliegt denn in der Innenstadt so viel Papier herum?“, fragt eine Linz-Besucherin. Weil seit Ende August zwei neue Gratiszeitungen verteilt werden, und die Leser diese offensichtlich nach Lektüre in der Rundablage oder eben daneben entsorgen. Tatsächlich bestätigen die Linz Linien, dass ihr Haltestellenservice seit dem Erscheinen von Oberösterreichs Neue und Heute ein neues Problem haben: „Erhöhtes Reinigungs-Aufkommen, übervolle Mistkübel“ und zum Teil „seitenweise Papier“ am Boden. Wenn dann noch ein Windstoß komme, werden Zeitungen auf den Gehsteigen verblasen. Die „neuralgischen Punkte“ seien die Umsteigehaltestellen wie Hauptbahnhof, Taubenmarkt oder Hauptplatz.

Fünf Beschwerden

Beim Bürgerservice der Stadt Linz sind wegen dieser Verunreinigungen vorigen Monat fünf Beschwerden eingegangen. Wochentags werden in dem Städtedreieck Linz-Steyr-Wels 80.000 Heute und 70.000 Oberösterreichs Neue, jede mit einem durchschnittlichen Umfang von 30 Seiten, in Verteiler-Boxen gestapelt. „Wir haben mit den Verlagen eine Probezeit von zwei Monaten vereinbart, danach werden wir uns zusammensetzen und das weitere Vorgehen besprechen, heißt es bei den Linz Linien. Mehrere Möglichkeiten seien im Gespräch: So könnte die Zahl der Boxen an den Haltestellen reduziert oder die der Mistkübel erhöht werden. Im Extremfall müssen die Verlage die Kosten für den erhöhten Reinigungsbedarf übernehmen.

Dies haben sich die österreichischen Bundesbahnen bereits vertraglich zugesichert. Bisher gab es aber weder an den Bahnhöfen in Linz, Steyr und Wels Ärger mit zusätzlichem Müll. Rudolf Cuturi, Herausgeber von Oberösterreichs Neue bestätigt, dass es mit den ÖBB einen derartigen Vertrag gibt. Allerdings, so betont er, sei das Problem mit dem Müll eines von der Konkurrenz. Denn Heute sei im Gegensatz zum eigenen Produkt nicht zweimal geheftet, und deshalb könnten einzelne Seiten herumflattern. „Alles alleine auf die Gratiszeitungen zu schieben wäre zu einfach“, glaubt Werner Prödl, Manager vom Passage-Einkaufszentrum in der Linzer Innenstadt. Natürlich hätten die kostenlosen Zeitungen „die Müllsituation weiter angeheizt“, das Problem sei aber vor allem ein gesellschaftliches. „Die meisten haben heute verlernt, außerhalb der eigenen vier Wände einen Mistkübel zu verwenden. Die meisten lassen einfach Dinge dort fallen, wo sie gerade stehen. Auch wenn der nächste Aschenbecher nur einen Meter entfernt ist, landet der Tschick am Boden.“ (Markus Rohrhofer, Kerstin Scheller, DER STANDARD Printausgabe, 03.10.2006)

  • Leser und Gratiszeitung verbindet nur eine kurze Liaison, der Müll bleibt. Auch am Linzer Bahnhof
    foto: bahnhof linz

    Leser und Gratiszeitung verbindet nur eine kurze Liaison, der Müll bleibt. Auch am Linzer Bahnhof

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