Zwischen Vergänglichkeit und jugendlichem Entdeckungsdrang

2. Oktober 2006, 17:03
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Für ältere Zuseher scheint die Konfrontation mit dem Tod schwerer und härter zu sein als für die jungen Mädchen im Film - Von Stefanie Böhm

„Manst is der Himmel wirklich im Himmel?“ Das ist nur eine der vielen Fragen, mit denen sich zwei junge Mädchen beschäftigen. Valerie und Ida sind elf Jahre alt. Trotzdem müssen sie etwas erfahren und erleben, mit dem auch erwachsene Menschen nur schwer umgehen können.

Die beiden Mädchen sind mit dem Tod konfrontiert. Dem Tod einer engen Verwandten, ihrer geliebten Großmutter. Für ältere Zuseher scheint die Konfrontation mit dem Tod schwerer und härter zu sein als für die jungen Mädchen im Film. Ida und Valerie wissen, dass ihre Oma nicht mehr am Leben ist. Sie kann sie nicht mehr lieb haben, ihnen etwas erlauben oder verbieten. Der Umgang der Mädchen mit dem Tod ist von einer kindlichen Unbeschwertheit geprägt. Als Erwachsener wünscht man sich ebendiese oftmals zurück.

Der Kurzspielfilm „Bildein“ der 22-jährigen österreichischen Jungregisseurin und Produzentin Eva Hausberger erzählt Valeries und Idas Geschichte. Die beiden Mädchen kehren an die Orte zurück, die sie scheinbar mit ihrer Großmutter verbinden. Ida und Valerie lassen nicht los auf der Suche nach dem nunmehrigen Aufenthaltsort ihrer Großmutter. Eine große, teils verputzte, teils abbröckelnde Ziegelmauer zieht die Mädchen in ihren Bann. Aber es ist nicht nur die Mauer, es ist das Geheimnis, das Ida und Valerie dahinter vermuten. „Jetzt ist die Oma tot, und wir wissen immer noch nicht, wann wir alt genug sind“. Alt genug – wofür? Aber woher soll man denn als Kind wissen, wann man alt genug ist und vor allem wofür man alt genug sein muss?

Süßigkeiten und ein roter Ball sollen den Kontakt zu ihrer verstorbenen Großmutter herstellen. Die Zeichen, die Ida und Valerie bekommen, versuchen sie zu deuten. Eines der beiden jungen Mädchen wagt schließlich den Blick über die Mauer. „I versteh’ des net“. Valerie und Ida meinen, sie müssen noch älter werden, um alles zu verstehen. Wie es im Himmel ist – diese Frage können sie sich selbst nicht beantworten. Dass sie nicht die Einzigen in dieser Hinsicht sind, wissen sie vermutlich nicht. Die Mädchen wollen älter werden, um eine Antwort auf ihre Fragen zu bekommen. Sie glauben, dass sie noch zu jung dafür sind. Valerie und Ida drängen darauf, den Sinn der Aussagen der Großmutter, der Mauer und des Dahinters zu begreifen. Der aufmerksame Zuseher kann selbst versuchen, alles zu verstehen. Er darf auch das Rätsel um den Filmtitel lösen. Ein kleiner Tipp – den Abspann abwarten.

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