Der "Bua" hat es allen bewiesen

3. Oktober 2006, 11:02
9 Postings

Norbert Darabos hat seinen dritten Wahlkampf gewonnen - Das Team um den roten Vorsitzenden

Selten nur entkommt Norbert Darabos ein lautes Wort. Er gilt als ruhig, fast zu sehr, ist kein Plauderer und sieht sich selbst als ehrlichen Arbeiter. Dass der 42-jährige Burgenländer mit kroatischen Wurzeln nebenbei auch ein eminent politischer Kopf und ein organisatorisches Talent von hohen Gnaden ist, sprach sich zunächst vor allem in der burgenländischen SPÖ herum.

Dort rettete er im Jahr 2000 nach dem Skandal in der Bank Burgenland der SPÖ buchstäblich den Kopf - und landete mit dem bis dato beinahe unbekannten SP-Klubobmann Hans Niessl als Spitzenkandidat einen spektakulären Sieg. Auf Parallelen zum aktuellen Nationalratswahlkampf hat Darabos vor allem die Genossen, denen Zweifel an der Durchschlagskraft seiner Kampflinie gekommen waren, auch noch hingewiesen, als diese längst die Nerven weggeworfen hatten und mitten im Fluss die Pferde wech- seln wollten. Österreich sei schließlich nicht das Burgenland, wurde Darabos aus manch mächtiger Landesorgansiation gerüffelt, und mit dem mächtigen Gewerkschaftsbund könne man, Bawag hin oder her, nicht so umspringen.

Könne man ohne Weiteres, schaltete der auf stur - und bekam von der Geschichte Recht: Erst nach der strikten Trennung von SPÖ und ÖGB begannen sich die Roten wieder zu erholen. Und bekamen in den letzten zwei Wochen mit dem Eurofighter und der Bawag-Beteiligung auch hoher VP-Funktionäre zwei Themen durch, die offensichtlich über die Parteigrenzen hinauswirkten. Persönliche Befriedigung für Darabos: Nach dem Erfolg mit Niessl und Bundespräsident Heinz Fischer ist er jetzt auch mit seinem dritten und wichtigsten Wahlkampf erfolgreich gewesen. Der "Bua" aus dem Burgenland hat es allen bewiesen. Dass er sich in dieser Position noch einen Wahlkampf antut, schließt der 42-jährige Familienvater eines Sohnes (Ralph) und einer Tochter (Hannah) eher aus. Es wäre nicht die SPÖ, dürfte der vor einigen Tagen noch schwer Umstrittene jetzt nicht mit höheren Regierungsweihen rechnen.

Das Team um den roten Vorsitzenden

Das politische Kernteam um Alfred Gusenbauer besteht neben seinen beiden Bundesgeschäftsführern Doris Bures und Norbert Darabos im Wesentlichen aus SPÖ-Klubchef Josef Cap und dem Kommunikationschef der Partei, Josef "Joe" Kalina.

Als ministrabel gilt in erster Linie Norbert Darabos, der parteiintern für das Innenministerium vorgesehen wäre. Die Salzburger Landeshauptfrau Gabi Burgstaller käme für das Gesundheitsressort in Frage. Empfohlen hat sich parteiintern auch der oberösterreichische Landeschef und Landeshauptmann-Stellvertreter Erich Haider.

Aus der Wiener Landespartei würden im Fall einer Regierungsbeteiligung jedenfalls auch der Anspruch auf ein oder mehrere Regierungsämter erhoben werden. Eine Kandidatin ist etwa Umwelt-Stadträtin Ulli Sima oder Wohnbau-Stadtrat Werner Faymann. Auch Renate Brauner, derzeit in Wien für das Ressort Soziales zuständig, galt in der SPÖ immer als ministrabel. Allerdings ist sie auch in die Planspiele im Wiener Rathaus eingebunden, sie gilt als Nachfolgerin von Michael Häupl. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2.10.2006)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Norbert "Der Bua" Darabos

Share if you care.