Mindestens 17 Gewaltopfer nach Ende der Ausgangssperre

5. Oktober 2006, 12:45
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23 Tote mit Folter- und Erschießungsmerkmalen gefunden - 26 Arbeiter in Bagdad entführt - Schiiten fordern Regierungsumbildung

Bagdad - Nach dem Ende der 36-stündigen Ausgangssperre am Wochenende sind im Irak bei neuen Gewalttaten mindestens 17 Menschen ums Leben gekommen. Außerdem wurden während des Wochenendes in der Hauptstadt 23 Tote gefunden, die Folter- und Erschießungsmerkmale aufwiesen. Bei einer neuen Massen-Entführung wurden 26 Arbeiter einer Groß-Fleischerei in Bagdad verschleppt. Die bewaffneten Entführer hätten ihre Opfer in drei Lastwagen weggefahren, die der Fabrik gehörten.

Die Ausgangssperre war am Freitagabend wegen angeblichen Anschlagsplänen gegen das Bagdader Regierungsviertel verhängt und am Sonntag in der Früh wieder aufgehoben worden.

Autobombe tötete Zivilisten

Unter den Getöteten waren drei Zivilisten, die einer gegen eine US-Armeepatrouille gerichteten Autobombe zum Opfer fielen. Eine Frau und ein Mädchen starben bei einer amerikanisch-irakischen Razzia gegen angebliche Aufständische in Bagdad. Die Identität der 23 Toten, die an verschiedenen Stellen von Bagdad gefunden wurden, stand vorerst nicht fest. Nach den Polizeiangaben wiesen sie Einschüsse im Kopf und Folterspuren auf. Offenbar handelt es sich um Opfer der zwischen den Religionsgruppen wütenden Gewalt.

Bei einer Reihe von Anschlägen in Baquba waren schon am Samstag acht Iraker getötet worden, darunter zwei Polizisten. Bei einem Selbstmordanschlag nahe einem Markt in Tel Afar, 70 Kilometer westlich von Mossul, kamen zwei Passanten ums Leben. 30 weitere Menschen wurden nach Polizeiangaben verletzt.

Regierungsumbildung gefordert

Aus Verärgerung über mutmaßliche Sicherheitslücken im irakischen Regierungsviertel haben schiitische Abgeordnete am Sonntag eine Regierungsumbildung gefordert. Die derzeitige Regierung der nationalen Einheit sei "von Terroristen infiltriert". In einem künftigen Kabinett sollten die Minister in der Lage sein, für Sicherheit zu sorgen, sagte Bahaa Al-Aradji von der Vereinigten Irakischen Allianz. Zwei Tage zuvor hatten US-Truppen den Leibwächter eines bekannten sunnitischen Parlamentariers festgenommen.

Verbindungen zur Al-Kaida?

Bei dem Festgenommenen handle es sich um einen Sicherheitsbeamten im Haus des Chefs der größten sunnitischen Gruppierung im Parlament, Adnan Al-Dulaimi, teilte das US-Militär mit. Der Mann werde verdächtigt, Autobomben-Anschläge im schwer bewachten Regierungsviertel geplant zu haben. Der festgenommene Mann könnte Verbindungen zu der Extremistenorganisation Al-Kaida haben. Ein führender Vertreter von Dulaimis Irakischer Front der Eintracht sagte, der Verdächtige sei Mitte 20 und vor etwa einem Monat dem Sicherheitsteam um Dulaimi beigetreten.

Ein Vertreter der schiitischen Partei Malikis sagte, der Regierungschef sei durchaus zu einer Kabinettsumbildung bereit. Maliki stehe aber unter dem Druck anderer Fraktionen, bestimmte Minister zu behalten, sagte der Parteivertreter, der anonym bleiben wollte. Die vor allem nach Religionszugehörigkeit getrennten Fraktionen im irakischen Parlament haben Monate um die Besetzung der Kabinettsposten gerungen. (APA)

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