Zwölf Tote bei Selbstmordanschlag in Kabul

2. Oktober 2006, 08:34
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Attentäter sprengte sich vor Innenministerium in die Luft - Taliban bekennen sich - Rund fünfzig Verletzte

Kabul - Bei einem Selbstmordanschlag in der afghanischen Hauptstadt Kabul sind am Samstag mindestens zwölf Menschen ums Leben gekommen. Weitere rund 50 Menschen wurden verletzt, als sich der Attentäter kurz vor 8.00 Uhr in der Früh vor dem Innenministerium in die Luft sprengte, wie ein Sprecher des Ministeriums sagte. Der Täter habe den Sprengsatz inmitten einer Menschenmenge vor dem Eingang gezündet. Zu dem Anschlag bekannten sich die radikalislamischen Taliban.

Nach Angaben des Sprechers des Innenministeriums waren unter den Todesopfern zehn Zivilisten, darunter mindestens zwei Frauen und ein Kind, sowie zwei Polizisten. Der Attentäter habe den Sprengsatz an seinem Körper getragen und ihn gezündet, als Polizisten ihn aufhalten wollten.

Taliban bekennen sich

Der Mann habe sich unter eine vor dem Ministerium wartende Menschenmenge mischen wollen. Die Polizei habe ihn angehalten, weil er sich "verdächtig" benommen habe. Ein Mitarbeiter des Innenministeriums sagte, er habe die Leichen von drei Händlern aus ihren von der Explosion völlig zerstörten Geschäften geborgen. Zu dem Anschlag bekannten sich die Taliban. Ein Sprecher der radikalen Islamisten sagte entgegen den Angaben der Polizei, die Taliban hätten den Sprengsatz ferngezündet.

Präsident Hamid Karzai verurteilte die Tat aufs Schärfste und rief die internationale Gemeinschaft zur Hilfe beim Kampf gegen militante Islamisten auf. "Die Selbstmordattentäter kommen von außerhalb Afghanistans und haben das gläubigste und ärmste islamische Volk der Welt im Visier", hieß es in einer Stellungnahme des Staatsoberhaupts. Man müsste die Zufluchtsorte der radikalen Islamisten beseitigen, an denen junge Menschen "der Gehirnwäsche unterzogen und zu Selbstmordattentätern erzogen werden", forderte Karzai.

Vor Journalisten kündigte Karzai an, mit dem Nachbarland Pakistan eine Reihe von Versammlungen für Stammesführer zu organisieren. Ziel dieser Jirgas entlang der gemeinsamen Grenze sei es, die Region zu stabilisieren sowie die Bewegungsfreiheit und damit Angriffe von Taliban-Kämpfern einzudämmen.

Der UNO-Sonderbeauftragte für Afghanistan, Tom Koenigs, verurteilte die Bluttat als grausamen Anschlag auf unschuldige Menschen, die auf dem Weg zur Arbeit waren. Ein Sprecher der internationalen Afghanistan-Sicherheitstruppe ISAF wertete den Anschlag als Beleg dafür, dass die Rebellen in ihren Hochburgen im Süden und Osten des Landes in die Enge getrieben worden seien. "Sie erkennen an, dass wir dort Druck auf sie ausüben, und dazu passt leider die Taktik, weichere Ziele anzugreifen und die mit der Hauptstadt des Landes verbundene zusätzliche Aufmerksamkeit zu bekommen", sagte ISAF-Sprecher Luke Knittig.

Die Sicherheitslage in Afghanistan ist zurzeit so schlecht wie seit dem Sturz des Taliban-Regimes vor fünf Jahren nicht mehr. Im September erschütterten fünf Anschläge die afghanische Hauptstadt. Dabei starben dutzende Afghanen, zwei US-Soldaten und ein britischer Soldat. Beim schwersten Selbstmordattentat in Kabul seit fünf Jahren waren vor drei Wochen mindestens 15 Menschen - darunter zwei US-Soldaten - getötet worden, als eine Autobombe nahe der US-Botschaft detonierte. (APA/AP/dpa)

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