Brasilien: Mühsame Bergungsarbeiten nach Flugzeugabsturz

3. Oktober 2006, 11:51
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Keine Überlebenden - Luftfahrtbehörde: Zusammenstoß mit Kleinjet Unglücksursache - Bergung der Toten weiterhin schwierig - Mit Grafik

Rio de Janeiro - Zwei Tage nach dem schwersten Flugzeugunglück in der Geschichte Brasiliens mit 155 Toten hat im Amazonas-Urwald die Bergung der Opfer und Wrackteile begonnen. Die ersten zwei Leichen wurden nach Medienberichten am Sonntagabend (Ortszeit) mit Hubschraubern von der Unglücksstelle im Norden des Bundeslandes Mato Grosso abtransportiert.

Die ohnehin schleppend verlaufenden Bergungsarbeiten im schwer zugänglischen Dschungel seien in der Nacht wegen Dunkelheit und heftigen Regens unterbrochen worden. Die Untersuchung der Unglücksursache wird nach Angaben der Luftfahrtbehörden mindestens drei Monate dauern.

Bergung mindestens zehn Tage lang

Sprecher der Bergungsteams äußerten sich nach Medienberichten vom Montag sehr pessimistisch. "Wir werden unmöglich alle Körper finden und bergen können, und auch so wird die Bergung mindestens zehn Tage dauern", erklärte der Truppenführer des eingesetzten Militärs, Jorge Kersul. Das fast senkrecht auf dem Boden aufgeschlagene Flugzeug sei in kleinste Stücke zerrissen worden. "Da kann man sich vorstellen, was mit den Körpern passiert ist", sagte er.

Wie die Luftfahrtbehörden informierten, könnte die Boeing bereits vor dem Aufprall in Stücke zerfallen sein, da der Wald am Unfallort praktisch unbeschädigt geblieben sei. Nach amtlichen Angaben sind bei den Bergungsarbeiten neben rund 300 Militärangehörigen auch Indigenas im Einsatz. Der Unfallort liege fern jeder größeren Stadt, jeder Straße und auch jedes Militärstützpunktes und sei praktisch nur von der Luft aus zu erreichen. Acht Flugzeuge und fünf Hubschrauber würden eingesetzt.

Keine Hoffnung auf Überlebende

Eine Boeing 737-800 der brasilianischen Billigfluglinie Gol war am Freitag nach einem Zusammenstoß mit einer zweimotorigen Privatmaschine vom Typ Embraer Legacy in 11.000 Metern Höhe abgestürzt. Es gebe definitiv keine Hoffnung mehr, Überlebende zu finden, betonten Vertreter der Luftwaffe, der Zivilluftfahrtbehörden sowie der Flughafenverwaltungsbehörde Infraero. Staatschef Luiz Inacio Lula da Silva ordnete eine dreitägige Staatstrauer an.

Die kleine Maschine, die von einem US-Amerikaner gesteuert worden sei, habe noch auf einem Militärstützpunkt notlanden können. An Bord dieses Privatflugzeugs, das von Sao Paulo in die USA unterwegs war, waren laut Behörden sieben US-Bürger, darunter auch ein Journalist der "New York Times".

Noch wird in Brasilien heftig darüber spekuliert, weshalb die kleine Maschine mit einem stark beschädigten Flügel nahezu problemlos landen konnte, während das große Flugzeug abstürzte. Der Flügel der kleinen Maschine habe wahrscheinlich die Boeing wie ein Messer aufgeschlitzt oder aber wichtige Teile zerstört, lautet die häufigste Erklärung der Experten.

Gol ist eine Billigflug-Linie, die 2001 gegründet wurde. Nach Angaben der Gesellschaft war das Unglücksflugzeug vom Hersteller erst am 12. September geliefert worden und bis zum Unfall nur rund 200 Stunden in der Luft gewesen. (APA/dpa)

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    Wrackteile des abgestürzten Flugzeuges zwischen Bäumen an der Unglücksstelle

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