Bericht: UN-Posten im Libanon wurde von Präzisionsbombe zerstört

2. Oktober 2006, 17:48
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UN-Soldaten trugen keine Schuld an tödlichem Vorfall - Plassnik: "Tragische Verkettung von Umständen"

New York/Wien - Die israelische Armee hat bei ihrem tödlichen Angriff auf einen UNO-Posten im Libanon im Juli eine präzisionsgesteuerte Bombe eingesetzt. Der Beobachtungsstand im südlibanesischen Khiyam (Khiam) sei am 25. Juli von einer 500-Kilogramm-Bombe getroffen worden, erklärte die UNO am Freitag unter Verweis auf das Ergebnis einer UNO-Untersuchungskommission. Bei dem Angriff während des Krieges zwischen Israel und der Schiiten-Miliz Hisbollah waren vier Soldaten der UNO-Mission UNIFIL getötet worden, darunter der österreichische Major Hans-Peter Lang.

Die israelische Armee hatte ihren Beschuss demnach trotz mehrmaliger Warnungen von Seiten des UNO-Personals "an Ort und Stelle und im Hauptquartier" fortgesetzt. Die Kommission habe die Gründe dafür nicht herausfinden können, da sie die zuständigen israelische Offizieren nicht befragen durfte. Dadurch, dass die Befragung nicht gestattet wurde, sei es unmöglich, einen klärenden Abschlussbericht vorzulegen, erklärte UNO-Sprecher Stephane Dujarric am Freitag in New York.

Standardprozeduren eingehalten

Der UNO-Bericht entlastete die Blauhelm-Truppe unterdessen von einer möglichen Mitschuld. Das UNO-Personal des rund 30 Jahre alten Beobachterpostens habe die Standardprozeduren eingehalten, hieß es.

Die Kernaussage des UNO-Berichts sei, dass "es eine tragische Verkettung von Umständen war", sagte Außenministerin Ursula Plassnik in der ZiB 2 des ORF. "An sich war die Evakuierung dieses Postens von UNO-Seite bereits beschlossen. Dass ein direkter Beschuss dieses UNO-Bunkers erfolgen würde, davon konnte nicht ausgegangen werden." Laut ORF sind keine weiteren Berichte vorgesehen.

Scharfe Annan-Kritik

Plassnik hatte nach dem Zwischenfall gegenüber ihrer israelischen Ressortkollegin Tzipi Livni eine rasche und vollständige Untersuchung des israelischen Beschusses des UNO-Beobachterpostens gefordert.

UNO-Generalsekretär Kofi Annan hatte Israel kurz nach dem Vorfall in ungewöhnlich scharfer Form kritisiert. Israel entschuldigte sich. Ein Sprecher des israelischen Außenministeriums gab bei einem Fernsehinterview in diesem Monat an, dass die israelischen Streitkräfte wegen eines Kartenfehlers den UNO-Posten für einen Hisbollah-Stützpunkt gehalten hätten. (APA/AP)

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