Streit um missbrauchtes Kind zwischen Italien und Belarus

29. September 2006, 17:03
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Zehnjähriges Mädchen aus Tschernobyl wurde gefunden - Gastfamilie hat Kind versteckt um es vor einer Rückkehr zu schützen

Rom - Im diplomatischen Streit zwischen Italien und Weißrussland im Bereich Kinderadoption ist es am Mittwoch zu einer Wende gekommen. Die italienische Polizei hat das zehnjährige Mädchen aus Tschernobyl gefunden, das seit drei Wochen von seiner italienischen Gastfamilie versteckt gehalten wurde. Die Familie wollte das Kind nicht mehr in das Waisenhaus zurückschicken, in dem es missbraucht wurde.

Im Heim sexuell misshandelt

Die Familie aus Genua betreut das Kind seit 2003 in den Sommermonaten. Das Mädchen zählt zu einer Gruppe von Minderjährigen mit Gesundheitsproblemen aus Tschernobyl, die ihre Ferien in Italien verbringen. Seit Jahren will die Gastfamilie das Kind adoptieren, das in einer Waisenanstalt im weißrussischen Vileika lebt. Das Kind habe der Familie erzählt, dass sie in der Waisenanstalt von Vileika sexuell misshandelt wurde. Wegen der Misshandlungen sei Maria psychisch stark belastet, sie habe sogar einen Selbstmordversuch unternommen, so die Familie. Marias Bericht über die Misshandlungen wurde von anderen Kindern bestätigt, die aus demselben Waisenhaus kommen und sich in Italien aufgehalten haben.

Internationaler Haftbefehl

Maria hätte vor drei Wochen in ihre Heimat zurückreisen sollen, das ligurische Ehepaar weigerte sich jedoch, sie heraus zu geben. Der Beschluss des Ehepaares, das Mädchen Maria zu verstecken, löste eine empörte Reaktion der weißrussischen Regierung aus. Das Kabinett in Minsk bemühte sich über Interpol um einen internationalen Haftbefehl gegen die Gastfamilie, die nach Ansicht der Regierung das Kind gekidnappt hätten.

Justizministerium versuchte zu vermitteln

Die weißrussische Regierung hatte mit einem Stopp bei internationalen Adoptionen gedroht, sollte Maria nicht sofort in ihre Heimat zurückkehren. Vergebens versuchte die Staatssekretärin im italienischen Justizministerium, Daniela Melchiorre, das Ehepaar Giusto zu überreden, das Kind wieder zurückkehren zu lassen. Nur dank ausgedehnter Ermittlungen konnte das Kind aufgespürt werden. Nachdem die italienische Polizei die Bilder der beiden Adoptivgroßmütter des Mädchens veröffentlichte konnte das Mädchen aufgespürt werden. Das Kind wurde in einer Ortschaft im Aostatal versteckt.

Kind soll zurückgeschickt werden

Jetzt könnte Maria bald zur Rückkehr nach Weissrussland gezwungen werden. Vorerst befindet sie sich in einer katholischen Kinderanstalt. Die Kirche erklärte sich bereit, eine Vermittlerrolle zu übernehmen. Das Mädchen könnte einstweilen der Kirche anvertraut werden, hieß es. "Wir sind verzweifelt, wir verlieren eine Tochter", erklärte die Gastfamilie.(APA)

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