Spektakulärer Dachausbau bei Kastner & Öhler: Hoffnung auf Einigung

20. Oktober 2006, 15:56
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Graz soll stolz auf die alte Dachlandschaft sein, andererseits gibt es seit den 60ern ein Bekenntnis zu visionärer Architektur

Graz – Graz hat es nicht leicht. Einerseits soll man stolz auf die historische Dachlandschaft sein, die die Stadt 1999 zum Weltkulturerbes der Unesco werden ließ, andererseits gibt es gerade hier seit den späten 60ern mit der "Grazer Schule" ein Bekenntnis zu fortschrittlicher und visionärer Architektur.

Bewunderter Dachausbau

Der spektakuläre – und von Experten durchaus bewunderte – Dachausbau, den das spanische Architektenteam Nieto/Sobejano für das Grazer Kaufhaus Kastner & Öhler plante, ist nun nicht das erste architektonische Vorhaben, wegen dem der Stadt gedroht wird, sie könne ihren Status als Weltkulturerbe verlieren. Zuletzt waren es der Umbau der Thalia oder etwa der Abriss des "Kommod-Hauses" aus der Biedermeierzeit.

Vorreiterrolle in Baufragen für Unesco-Städte

Für Ulrike Bogensberger, die Vorsitzende der Sektion der ArchitektInnen in der Kammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten für Steiermark und Kärnten, ist es sogar denkbar, dass der Rat für Denkmalpflege Icomos beim Glasdach des Kaufhauses deswegen so streng ist, weil man zuletzt etwa das Grazer Kunsthaus, also die berühmte blaue Blase, zuließ. Bogensberger ist es an der Zeit, diese wiederkehrenden Krisen einmal als Chance zu nutzen, weswegen sie vorschlägt, die bauliche Weiterentwicklung in Weltkulturerbe-Städten in einem "Grazer Memorandum" fix zu definieren. Graz könnte so sogar "eine Vorreiterrolle in Baufragen für Unesco-Städte einnehmen".

Im Zusammenhang mit dem Kastner-Umbau verstehe sie die Aufregung nicht: "Wenn ich mir die jüngsten Medienberichte anschaue, dann könnte man meinen, die Vorbehalte des Rats für Denkmalpflege Icomos gegen das Bauprojekt würden auf dem groben Missverständnis fußen, Kastner & Öhler wolle nicht sein Dach neu gestalten, sondern das Traditionshaus abreißen und neu errichten".

Im Einklang

Die adaptierten Pläne für das Kaufhausdach – es soll im Volumen um ein Drittel kleiner werden – trafen indes bei der Grazer Altstadt-Sachverständigenkommission (ASVK) auf Wohlwollen. Die Vorsitzende Gertrude Celedin meinte: "Wir sind absolut überzeugt davon, dass Kastner & Öhler alles getan hat um den zeitgenössischen Ausbau in Einklang mit der vorherrschenden Grundstruktur zu bringen". Eine Einschätzung, die Kastner-Vorstand Martin Wäg, der Ende Oktober mit Unesco-Vertretern weiter verhandelt, optimistisch stimmt, denn "immerhin war die ASVK 30 Jahre gut genug, die Stadt zu schützen, dann wird sie wohl auch jetzt Gewicht haben". (Colette M. Schmidt, DER STANDARD Printausgabe 28.9.2006)

  • Der ursprüngliche Plan für den Ausbau des Kastner-&-Öhler-Daches fand den Zuspruch der Experten.
    foto: kastner & öhler

    Der ursprüngliche Plan für den Ausbau des Kastner-&-Öhler-Daches fand den Zuspruch der Experten.

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