McZahn lockt die Deutschen mit Gratis-Gebiss aus China

11. Oktober 2006, 15:22
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In Deutschland eröffnet die erste Praxis von McZahn. Der umstrittene Dental-Discounter will bald in 450 Filialen Kronen und Brücken aus Fernost zum Nulltarif bieten

Berlin - Wer in den vergangenen Tagen die McZahn-Hotline wählte, um eine Behandlung zu vereinbaren, musste Geduld aufbringen. "Die Patienten rennen uns buchstäblich die Bude ein", sagt eine McZahn-Sprecherin zum STANDARD. Am Donnerstag eröffnet der Discounter im nordrhein-westfälischen Krefeld seine erste Filiale, die Termine sind allerdings schon bis Dezember ausgebucht.

"Zahnersatz zum Nulltarif" bietet McZahn – und das nicht nur für Privatpatienten, sondern auch für jene 90 Prozent der Deutschen, die gesetzlich krankenversichert sind und in den vergangenen Jahren von der Bundesregierung immer mehr finanzielle Belastungen aufgebrummt bekamen. Das Konzept dahinter: McZahn lässt Kronen, Brücken, Prothesen oder Inlays nicht von deutschen Dentallaboren fertigen, sondern kauft selbige in Schanghai und Hongkong ein. Die Kosten dafür sind so niedrig, dass der Festkostenzuschuss der gesetzlichen Krankenkassen ausreicht, um den Zahnersatz zu bezahlen und auch noch das Honorar des Zahnarztes. Die Praxis im beschaulichen Krefeld soll nur der Anfang eines ganzen Billig-Beißer-Imperiums sein.

"Bis 2009 wollen wir 450 Zahnarztpraxen deutschlandweit eröffnen", sagt Vorstandssprecher Werner Brandenbusch. Das Konzept ähnelt dem von Imbissketten: Zahnärzte sollen eine Franchise-Gebühr an McZahn zahlen. Dafür gibt es dann den Einheits-Look: Gleiche Einrichtung, gleiche Geräte, sogar einheitliche Kleidung für das Dentalpersonal. Auch die Öffnungszeiten sind vorgegeben: wochentags von sieben bis 21 Uhr, am Samstag von zehn bis 15 Uhr. Um zu demonstrieren, wie sehr er von seinem Vorhaben überzeugt ist, obwohl es von der kassenzahnärztlichen Vereinigung noch kein grünes Licht für das Franchise-System gibt, zitiert Brandenbusch den französischen Schriftsteller Victor Hugo: "Nichts ist so stark wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist."

Weniger stark findet der Verband Deutscher Zahntechniker-Innungen das Vorhaben. Er warnt vor "qualitäts- und versorgungspolitischen Risiken" und befürchtet, dass sich McZahnärzte "nicht mehr am medizinischen Bedarf des individuellen Patienten" ausrichten, sondern an "ökonomischen Anreizen". Das jedoch sei "sittenwidrig" und mit den berufsrechtlichen Pflichten eines Dentisten unvereinbar. (Birgit Baumann, Berlin, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.9.2006)

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