Einhaltung von IFRS-Bilanzregeln soll auch behördlich geprüft werden

12. Oktober 2006, 18:16
posten

EU-Richtlinie verlangt gesetzliche Regelung bis 2007 - "Enforcementstellengesetz" noch bis 29. September in Begutachtung

Wien - Ein neues "Enforcementstellengesetz" soll ab dem kommenden Jahr regeln, wie die Einhaltung der internationalen Rechnungslegungsvorschriften (IFRS) durch börsenotierte Unternehmen in Österreich überprüft wird. Ein entsprechender Entwurf des Finanzministeriums liegt noch bis 29. September zur Begutachtung auf. Mit dem Gesetz werde eine EU-Richtlinie umgesetzt, erklärte der Präsident des Beirats für Rechnungslegung und Abschlussprüfung (AFRAC - Austrian Financial Reporting and Auditing Committee), Romuald Bertl, am Mittwoch im Gespräch mit der APA.

Man rechne mit der Einführung des Gesetzes am 1. Jänner 2007, betroffen wären somit Bilanzen ab 2007, sagte Bertl heute nach der Präsentation der Ergebnisse der AFRAC-Arbeitsgruppen zu den Themen Finanzberichterstattung und Wirtschaftsprüfung.

Geplant ist ein zweistufiges Enforcement-System, bestehend aus einer Prüfstelle (Austrian Review Panel) und einer Enforcement-Behörde. Die Prüfstelle soll ein unabhängiger und nicht auf Gewinn ausgerichteter Verein sein, erklärte der Wirtschaftsprofessor Bertl. Das Panel soll bei Vorliegen eines Verdachts, dass gegen die IFRS (International Financial Reporting Standards) verstoßen wurde, auch noch nach Jahren tätig werden können und gegebenenfalls eine Anzeige bei der Behörde machen. Als Enforcement-Behörde soll nach dem derzeitigen Vorschlag des Finanzministeriums der Börseberufungssenat dienen.

Löwenanteil von Unternehmen

Ob es zur Einführung des privaten Panels kommen werde, ist laut Bertl "noch ganz offen". Diskutiert würden derzeit etwa noch die Kosten, die auf anfänglich 1 Mio. Euro jährlich geschätzt werden. 100.000 Euro sollen nach dem vorliegenden Vorschlag von den Mitgliedern des Vereins aufgebracht werden - das wären nach dem AFRAC-Vorschlag etwa die Wiener Börse und Interessenvertreter - den Löwenanteil müssen die Unternehmen aufbringen, deren Wertpapiere an der Börse notieren.

Im Mittelpunkt der heutigen AFRAC-Fachtagung in Wien standen neben der Gründung einer nationalen Enforcement-Behörde auch die Präsentation eines Modells für einen neuen Lagebericht sowie die österreichischen Stellungnahmen zu aktuellen Fragen der internationalen Rechnungslegungsvorschriften. Im "Lagebericht neu" soll nach Ansicht des AFRAC ein einheitlicher Aufbau die Vergleichbarkeit erleichtern. Der Cash-Flow-Rechnung soll als wesentlicher Indikator besondere Bedeutung zu kommen, die Berichterstattung über künftige Entwicklungen und Risiken soll deutlich ausgeweitet werden. (APA)

Share if you care.