ÖBB im Test: "Welchen Preis hätten´s denn gern?"

27. Juni 2000, 15:03

19 von 33 Bahnhöfen berechneten nicht den billigsten Tarif - VKI fordert "Glasnost" im Tarif-Dschungel der ÖBB

Wien - Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen - vor allem, wenn er durch falsche Berechnungen der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) ungerechtfertigt zur Kasse gebeten wird. Der Verein für Konsumentenschutz (VKI) hat erstmals die Beratung und Tarifauskunft unter die Lupe genommen und präsentierte die Ergebnisse am Dienstag in einer Pressekonferenz in Wien.

Für eine Reise ins Ausland wendeten sich VKI-Mitarbeiter an die Beratungsschalter von insgesamt 33 österreichischen Bahnhöfen, mit dem Resultat, dass bei 19 Auskünften der errechnete Fahrpreis höher als der tatsächlich günstigste Tarif war.

Mehrausgaben von 744 Schilling

So berechneten nur sieben von zehn befragten Bahnbediensteten in verschiedenen Bahnhöfen die Destination Straßburg zum günstigsten Preis, in zwei Fällen hätte sich der Kunde sogar Mehrausgaben von 744 Schilling "eingehandelt".

Noch fehleranfälliger präsentierten sich die ÖBB-Angestellten, wenn die Tester Dresden nahe der tschechischen Grenze als Zielort angaben. Fünf von acht Mal wurde die Fahrt über Deutschland angeboten, was im Maximalfall eine Preissteigerung bis zu 68 Prozent im Vergleich zum günstigsten Tarif, der Route über Tschechien, verursachte. Der anwesende ÖBB-Vertreter Erich Forster, Leiter der Sparten Reise und Touristik, rechtfertigte dies mit der Tatsache, dass die Verbindung zur sächsischen Hauptstadt über Deutschland Zeit sparender sei und öfter und zu "angenehmeren" Tageszeiten in Anspruch genommen werden könne. Im Zuge seiner Erhebungen stellte der VKI auch auf Mängel in der Ausstattung und Pflege der Waggons fest.

(APA)

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