Bwin-Chefs: Angeschlagen, aber offensiv

19. Oktober 2006, 13:47
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Ihre Geschäfte weiterführen wie bisher wollen Vorstände Teufelberger und Bodner auch nach ihrer Haftentlassung "im Einklang mit dem europäischen Recht"

Wien – Sichtlich gezeichnet von den Ereignissen der vergangenen Tage, haben die Bwin-Bosse Manfred Bodner und Norbert Teufelberger, am Donnerstag Stellung zu ihrer Verhaftung durch die französischen Behörden genommen. Zur Erinnerung: Vergangenen Freitag wurden die beiden Vorstände des Sportwettenanbieters während einer Pressekonferenz in Monte Carlo wegen des Verdachts auf illegales Glücksspiel von Gendarmen abgeführt. Erst am darauf folgenden Montag kamen Bodner und Teufelberger gegen eine Kaution von je 300.000 Euro wieder frei.

"Wir sind zurück aus einer sehr unerfreulichen Wochenendgeschichte", sagte Bodner bei einer Pressekonferenz am Donnerstag. Die Tage in Haft waren die "härteste Prüfung unseres Lebens", auf diese "französische Gastfreundschaft" seien die "bisher mit der Polizei nicht in Konflikt geratenen" Vorstände nicht vorbereitet gewesen.

Menschrechtsverletzungen

In der Haft sei es zu "Menschenrechtsverletzungen" gekommen. In der ersten Nacht im französischen Gefängnis seien ihnen elementare Grundbedürfnisse verweigert worden. Die Vorstände seien in eine 1,5 mal 3 Meter große Zelle gebracht worden, ohne sanitäre Einrichtungen. Es habe nur eine Betonpritsche gegeben, keine Matratze, Decke oder Polster. Die Zelle sei "seit Monaten nicht gereinigt, aber täglich benützt worden", umschreibt Bodner den Hygienestandard im Gefängnis in Nizza. Teufelberger, nach eigenen Angaben "schwerer Asthmatiker", sei sein geäußerter Wunsch nach Wasser und Medikamenten mehr als zehn Stunden lang verweigert worden. Daher würden jetzt rechtliche Schritte geprüft.

Die Geschäfe von Bwin werde jedoch trotz aller Unbill, auch in Frankreich, fortgeführt wie bisher. Denn es gebe kein Urteil, dass das Anbieten der Wetten verbiete oder einschränke, erklärte Teufelberger. "Wir handeln im Einklang dem mit europäischen Recht." Vielmehr wären laut Meinung der Bwin-Manager die staatlichen Wettmonopole illegal.

Keine Auswirkungen auf operatives Geschäft

Auswirkungen auf das operative Geschäft hätten die aktuellen Ereignisse bisher nicht gebracht. Teufelberger: "In Frankreich hatten wir am Wochenende dreimal so viele Zugriffe wie an ,normalen‘ Wochenenden." Der Forderung des französischen Untersuchungsrichters, einen warnenden Hinweis auf der Frankreich-Homepage von Bwin anzubringen, wonach das Angebot möglicherweise gegen das nationale Recht verstoße, werde aber Folge geleistet. Zurückgewiesen haben die beiden Österreicher Aussagen, wonach die Vorstände auf Vorladungen aus Frankreich nicht reagiert hätten. Die Verhaftung sei "absolut nicht gerechtfertigt gewesen".

Von einem "Missbrauch des staatlichen Gewaltmonopols für fiskalpolitische Interessen" sprach Hannes Androsch, Großaktionär und Aufsichtsratspräsident bei Bwin. Staatliche Monopole seien mit dem Gedanken des freien Dienstleistungsverkehrs nicht vereinbar. Die Begründungen der Behörden, man agiere im Interesse des Spieler- und Jugendschutzes, sei "scheinheilig". Die EU-Kommission prüft nach den aktuellen Vorfällen, ob Frankreich möglicherweise unzulässig den Wettbewerb auf dem Glücksspielmarkt behindert. Am 18. Oktober soll über die Einleitung eines Vertragsverletzungsverfahrens gegen Frankreich entschieden werden, der Standard berichtete.

Andere Probleme

Bwin hat noch ausreichend andere Probleme: Nach der Fußball-WM musste wegen zu hohen Marketingaufwandes eine Gewinnwarnung ausgesandt werden, in Deutschland haben drei Bundesländer bereits rechtliche Maßnahmen gegen den privaten Wettanbieter eingeleitet. Bei Bwin wird nun überlegt, den Werbeaufwand zurückzufahren und gewinnorientierter zu handeln. Das wird auch die Aktionäre freuen, sie mussten durch die Turbulenzen einen Kurseinbruch von mehr als 20 Prozent hinnehmen. Das scharfe Vorgehen gegen Bwin sei ein Resultat der "starken Marke". Bodner: "Wir haben das Kreuz der Industrie zu tragen, wir fühlen uns eh schon wie Jesus Christus." (Bettina Pfluger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.9.2006)

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    Manfred Bodner (li), Norbert Teufelberger und Hannes Androsch traten heute vor Journaliste in Wien.

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