Mühlviertel: Lehrerin attackierte Volksschüler

24. September 2006, 11:32
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Mit Pädagogen-Prügel ins neue Schuljahr: 47-Jährige schubste und trat verhaltensauffälligen Buben

Linz - Der Start ins neue Schuljahr begann heuer für einen neunjährigen Volksschüler in Wartberg ob der Aist im Mühlviertel mit einer Tracht Prügel von der eigenen Lehrerin. Wie jetzt bekannt wurde, ereignete sich der Vorfall bereits am zweiten Schultag. Der Neunjährige soll beim Betreten der Klasse einem Mitschüler auf den Kopf geschlagen haben. Daraufhin gingen offensichtlich mit der pragmatisierten Pädagogin die Nerven durch und sie griff zu drastischen Erziehungsmethoden.

Die 47-Jährige Volksschullehrerin befahl den anderen Kindern, in der Klasse umgehend Tische und Stühle zur Seite zu räumen. Dann hieß es offensichtlich "Ring frei" im Klassenzimmer. "Die Frau hat den, bereits öfter verhaltensauffälligen, Buben irgendwie zu Fall gebracht, sich zu ihm auf den Boden begeben und ihn solange getreten und geschubst, bis der Schüler bei einem Kasten im Klassenzimmer anstand", schildert Oberösterreichs Landesschulratspräsident Fritz Enzenhofer den "Anschauungsunterricht".

Die Klassenkollegen berichteten den Vorfall in weiterer Folge zu Hause, worauf die Eltern des betroffen Buben aktiv wurden. Eine ärztliche Untersuchung ergab, dass der Neunjährige vom Zusammentreffen mit seiner Lehrerin ein Hämatom am linken Fuß davongetragen hatte. Der rabiate Übergriff der Pädagogin hat die Schulgemeinschaft in der kleinen Volksschule in Wartberg in ihren Grundfesten erschüttert. "Ich bin tief betroffen und mir fehlen jetzt einfach die Wort", ist Schuldirektorin Adelheid Wolfsegger im STANDARD-Gespräch am Boden zerstört. Die Lehrerin sei vorher nie als "besonders streng oder gar gewalttätig aufgefallen", so Wolfsegger.

Eine Einschätzung, die auch Präsident Enzenhofer teilt: "Die Bestrafungs-Methode war sicher die Falsche. Prinzipiell ist die Frau aber jemand, für den Kinder und Familie sehr wichtig sind".

"Kein Kumpel-Typ"

Die 47-Jährige sei umgehend vom Dienst suspendiert, eine Anzeige erstattet und ein Disziplinarverfahren eingeleitet worden. "Sollte es zu einer Entlassung kommen, wird diese Frau nie wieder in einer Klasse stehen", kündigte Enzenhofer an. Die Frau habe sich nach dem Vorfall gerechtfertigt, es sei ein Experiment gewesen - sie habe dem Schüler zeigen wollen, wie es ist, Schmerzen zu erleiden.

An dem Vorfall selbst gebe es "nichts zu vertuschen oder zu bagatellisieren". Unbestritten sei aber, dass Kinder "klare Grenzen und Regeln brauchen, deren Nichteinhaltung auch adäquate erzieherische Konsequenzen haben". Der Lehrer als "Kumpel" scheitere mit Sicherheit. "Kumpels suchen sich die Kinder in der Klasse", glaubt Enzenhofer. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD - Printausgabe, 22. September 2006)

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