List Holding geht in die Luft

5. Oktober 2006, 16:07
posten

Das niederösterreichische Unternehmen zog 150 Millionen-Dollar-Auftrag an Land und stattet bis zu 800 Business Jets mit Interieur aus

Wien/Edlitz – List Holding, bisher als Schiffs- und Jachtausstatter, im Hoch- und Hotelbau und als Generalunternehmer tätig, engagiert sich jetzt in der Luftfahrt-Zulieferindustrie. Der erste Erfolg dreijähriger Entwicklungsarbeit ist ein Auftrag über 150 Millionen Dollar (118 Mio. Euro – die Luftfahrtindustrie rechnet weltweit in Dollar) zur Ausstattung von Business-Jets mit exklusiver Innenausstattung. Der Auftrag kommt von der oberösterreichischen FACC (Fisher Advanced Composite Components), die ihrerseits Zulieferer der Flugzeughersteller ist.

Für insgesamt 800 Geschäftsflieger werden, aufgrund unterschiedlicher Kundenwünsche, teils sehr unterschiedliche teuere Innenausstattungen gebaut. Das spezielle Know-how der Österreicher, erklärt Geschäftsführer Franz List, sei die Fähigkeit, extrem leichte Materialien zum Einsatz zu bringen, die trotz Holzfurnier und einer klavierähnlichen hochglänzenden Lackierung gleichzeitig feuerfest sein müssen. "Das bringt Gewichtseinsparungen von 15 bis 30 Prozent", erklärt FACC-Chef Walter Stephan: In Anbetracht hoher Kerosinkosten ein Killerargument für die Bauteile. Im vergangenen Jahr wurden bereits 100 "Shipsets" (so heißen die Kabinenbauten) an Learjet geliefert, heute, Freitag, verlässt das erste Muster für einen nicht genannten größeren Business-Jet das Werk Richtung Orlando, Florida, wo es am 17. Oktober bei einer Flugzeugmesse erstmals offiziell vorgestellt wird.

Wechsel der Produktionsanlagen

List habe dafür am Standort Edlitz am Wechsel in neue Produktionsanlagen "vier bis sechs Millionen Euro" investiert. Der 150-Mio.-Dollar-Auftrag habe eine Laufzeit von sieben Jahren und würde einen Anteil von 30 Prozent am Gesamtgeschäft des Familienunternehmens ausmachen, erklärte List. Konkrete Umsatzzahlen wollte das Unternehmen keine nennen, eine Hochrechnung ergibt einen Jahresumsatz der gesamten Holding von rund 19 Mio. Euro. Der Exportanteil des Unternehmens liegt bei 95 Prozent.

Durch den Auftrag sind in der Region bereits 100 neue Arbeitsplätze entstanden, weitere 50 sollen noch dazu kommen, erklärte List. Um weitere Aufträge vor allem im Luftfahrtsbereich zu akquirieren müsse das Unternehmen seinen Aufwand für Forschung und Entwicklung weiter erhöhen. Die jetzt belieferten Business-Jets seien "nicht das letzte Projekt", erklärte Stephan, "wir gehen jetzt auf größere Geschäftsreiseflugzeuge los wie den Airbus A319 Corporate Jet". (spu/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.9.2006)

Share if you care.