Annan-Nachfolge: Vike-Freiberga über fehlende EU-Linie enttäuscht

15. September 2006, 20:13
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Lettlands Präsidentin hofft nach wie vor auf den Posten als UNO-Generalsekretärin

Helsinki - Die lettische Staatspräsidentin Vaira Vike-Freiberga hat sich am Rande des EU-ASEM-Gipfels in Helsinki enttäuscht darüber gezeigt, dass die EU zu keiner gemeinsamen Haltung in Bezug auf die Nachfolge von UNO-Generalsekretär Kofi Annan gefunden hat. Die EU habe nicht einmal darüber gesprochen, eine gemeinsame Position zu finden, sagte Vike-Freiberga im Gespräch mit der APA.

Bis zu einem gewissen Grad könne man von einer "kuriosen Situation" sprechen, so die lettische Präsidentin. Die EU spreche von der Notwendigkeit, eine gemeinsame Europäische Außenpolitik zu betreiben. "Man sollte daher meinen, dass die Wahl des neuen UNO-Generalsekretärs dafür ein Thema wäre, dass die EU über einen gemeinsamen Kandidaten diskutieren würde." Sie selbst habe nichts von einer derartigen Diskussion gehört, noch habe sie eine initiiert.

Bislang keine offizielle Kandatur

Vike-Freiberga, die aus ihrem Interesse für den Posten kein Hehl macht, betonte jedoch, sie habe bisher nicht offiziell ihre Kandidatur als mögliche Nachfolgerin von UNO-Generalsekretär Kofi Annan verkündet. Allerdings habe sie in einem bilateralen Gespräch mit dem chinesischen Regierungschef Wen Jiaobao darauf hingewiesen, dass es für einen allfälligen aus Asien stammenden Kandidaten kaum möglich wäre, so einen großen Raum wie Asien einheitlich zu vertreten. Sie habe gegenüber Regierungschef Wen auch scherzhaft gemeint, wenn es darum gehe, einen großen Teil der Menschheit zu vertreten, so sei es wohl an der Zeit, dass jemand die Frauen in der UNO repräsentiere.

Hinsichtlich ihrer Aussichten, UNO-Generalsekretärin zu werden, sagte die lettische Präsidentin, deren Amtsperiode als Staatsoberhaupt 2007 ausläuft, nach 60 Jahren ohne Frau an der Spitze der Vereinten Nationen verschlimmere sich dieses Manko. Die wichtigen Entscheidungen würden nach wie vor großteils von Männern getroffen und in vielen Ländern genössen Frauen nach wie vor nicht gleiche Rechte. Auch demokratisch sehr entwickelte Staaten hätten bei weitem keine Perfektion in der Gleichberechtigung der Geschlechter erreicht, so Vike-Freiberga. (APA)

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    Die lettische Präsidentin Vike-Freiberga - hier im Gespräch mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel - macht aus ihrem Interesse für den Posten des UNO-Generalsekretärs kein Hehl.

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