Abramowitsch plant russischen Stahlgiganten

20. Oktober 2006, 15:47
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Mit Kreml-Segen soll Russlands reichster Mann ein international konkurrenzfähiges Imperium bauen

Moskau - Ähnlich wie auf dem russischen Aluminiumsektor, wo eine Fusion der Branchenführer noch heuer zu einem russischen Monopolisten mit Anspruch auf Weltführerschaft stattfinden dürfte, scheint nun auch auf dem Stahlsektor die größte russische Metallurgieholding gebildet zu werden.

Dass Russlands reichster Mann, Roman Abramowitsch, Interesse an der Stahlindustrie zeigte und im Juni mit 41 Prozent beim russischen Stahlkocher Evraz Group einstieg, deuteten Branchenkenner als Anstoß zur Konsolidierung des Sektors. Jetzt berichtet die Tageszeitung Kommersant, dass Abramowitsch tatsächlich beabsichtige, über Evraz Group die anderen Hersteller zu schlucken.

Jewgeni Schwidler, Chef der Gruppe Millhouse, die Abramowitschs Geschäfte abwickelt, erklärte am Mittwoch, man verhandle derzeit mit den Besitzern aller russischen Metallurgiekombinate: "Evraz Group könnte die Plattform zur Konsolidierung des russischen Metallurgiesektors werden." Laut Kommersant habe sich Schwidler zur öffentlichen Erklärung gezwungen gesehen, um den widerspenstigen Unternehmen das Placet des Kremls für die Fusionen zu demonstrieren.

Des Kremls Freude

Der Zeitung zufolge habe Staatschef Wladimir Putin den Segen für die Verschmelzung gegeben, weil nur so die russischen Metaller auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig würden. Diese Position habe auch Präsidentenberater Igor Schuwalow neulich geäußert, der seine "Freude" über Abramowitschs Rückkehr in die russische Metallurgie bekundete: "Das ist lediglich der Anfang eines großen Weges."

Zuletzt war Ende Juni der vom Kreml unterstützte Großeinstieg des Stahlkonzerns "Severstal" in den Weltmarkt gescheitert. Im Kampf mit Mittal um den luxemburgischen Konzern Arcelor hatte man das Nachsehen, weil man das Angebot nicht mehr auf einen 100-prozentigen Kauf Arcelors nachgebessert hatte. Wie jetzt das russische Wirtschaftsblatt Vedomosti erfuhr, wollte sich schon damals Abramowitsch groß ins Spiel bringen und war bereit, 30 Mrd. Dollar (23,7 Mrd. Euro) für den Kauf Arcelors aufzustellen. Anschließend sei eine Verschmelzung Arcelors und Severstals mit Evraz vorgesehen gewesen, womit man zum Marktführer Mittal Steel aufgeschlossen hätte. Warum es nicht dazu gekommen ist, lassen sowohl Millhouse als auch Severstal unkommentiert - laut Vedomosti habe sich Severstal-Chef Alexej Mordaschow dagegen gewehrt.

Zu Abramowitschs nun kolportierter Konsolidierungsattacke innerhalb Russlands zeigen laut Schwidler bislang die russischen Konzerne Severstal und Metalloinvest die größte Bereitschaft. Branchenanalysten halten die Konsolidierung hinsichtlich internationaler Engagements für vernünftig. Auch sehen sie den Zusammenschluss als Widerstand gegen die wachsende Konkurrenz aus China, das Russland zuletzt auf dem asiatischen Markt zusetzte.

Liebe zu Gold und Öl

Die 13,2 Mrd. Dollar, die Abramowitsch für den vorjährigen Verkauf der Ölgesellschaft Sibneft an Gasprom lukrierte, sollen laut Schwidler schon in Russland investiert worden - wo, werde nicht genannt. Aber die finanziellen Möglichkeiten seien schier unbeschränkt: "Alles was man in Russland kaufen kann, können wir kaufen." Millhouse sei auch an der Gold- und der Ölförderung interessiert. (Eduard Steiner, Moskau, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.9.20069

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    Will Russlands Stahlhersteller an die Größe von Marktführer Mittal heranführen: Roman Abramowitsch.

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