Ausstellungsstart: Französischer Pavillon als Attraktion

25. Jänner 2007, 12:27
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Hauptschau soll "informieren und eine Diskussion darüber anregen, wie die Zukunft der städtischen Gesellschaften gestaltet werden soll" - Preis für Richard Rogers

Venedig - Mit der Verleihung eines Goldenen Löwen an den britischen Stararchitekten Richard Rogers ist am Sonntag die 10. Architektur-Biennale in Venedig eröffnet worden. Bei der Schau mit dem Titel "Stadt. Architektur und Gesellschaft" geht es um urbane Entwicklung und Städteplanung. Der 73-jährige Rogers bekam die Auszeichnung für sein Lebenswerk von seinem italienischen Kollegen Renzo Piano überreicht, mit dem er zusammen in den 70er Jahren das Centre Pompidou in Paris entworfen hatte. Es zählt mittlerweile zu einem der weltweit meistbesuchten Neubauten der Nachkriegszeit.

Rogers war auch an der Gestaltung des Potsdamer Platzes in Berlin mit einem weitläufigen Wohn- und Bürokomplex als transparente Glasarchitektur beteiligt. In London entwarf er einen monumentalen Hochhauskomplex für die Versicherungsfirma Lloyds, der ebenfalls zu seinem weltweit renommierten Ruf beitrug.

Metropolen und Menschen

Im Mittelpunkt der Biennale, die bis zum 19. November dauert, stehen die Metropolen und die Menschen, die in ihnen leben. "Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt heute in Städten. Vor 100 Jahren waren es nur zehn Prozent", meint der Kurator, der britische Architekt Richard Burdett. "Ziel ist es zu informieren und eine Diskussion darüber anzuregen, wie die Zukunft der städtischen Gesellschaften gestaltet werden soll."

Im Kern geht es um 16 Großstädte der Welt, darunter Metropolen mit über 15 Millionen Einwohnern wie Mexiko City, Shanghai, Tokio und Bombay sowie europäische Städte wie Berlin und Barcelona. Gezeigt werden unter anderem Filme auf Großleinwänden, Fotografien und dreidimensionale Grafiken.

Österreich-Pavillon

Neben der internationalen Schau stellen etwa 50 Länderpavillons nationale Beiträge vor, bei denen - ganz im Sinne von Burdett - heuer so wenig klassische Architekturmodelle zu sehen sind wie wohl nie zuvor. Im Österreich-Pavillon hat Kommissär Wolf D. Prix das Thema Stadt als "Form, Raum und Netz" aufgegriffen und dafür visionäre Projekte von Hans Hollein und Friedrich Kiesler sowie eine "urbar" von Gregor Eichinger als Symbol für Netzwerke ausgewählt. Außerdem wird unterschiedlichstes Datenmaterial über Wien sichtbar gemacht.

Publikums-Liebling

Liebling beim Publikum ist jedoch der französische Pavillon, den unter dem Titel "Metavilla" der Architekt Patrick Bouchain mit 25 Kollegen okkupiert und mit regem Treiben erfüllt hat: Aus Industriegerüst-Stangen wurden Küche und DJ-Plattform, Kommunikations-Ebenen und Schlaf-Kojen auf engstem Raum neben- und übereinander installiert, vor dem Pavillon Tische und Liegestühle aufgestellt. Hier lässt sich leben, reden, essen, sich unterhalten und zur Erinnerung ein T-Shirt bedrucken. In quicklebendiger Weise wird hier das Großthema Stadt im Kleinen nachvollziehbar gemacht. (APA/dpa)

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