Nächster Dämpfer

2. Oktober 2006, 14:13
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Die Nationalelf unterliegt nach enttäuschender Leistung Venezuela mit 0:1 - Jürgen Macho sah nach einer Notbremse Rot

Basel - Auch das fünfte Fußball-Länderspiel des Jahres bzw. der Teamchef-Ära Josef Hickersberger II hat für Österreich eine herbe Enttäuschung gebracht: Nach den Heim-Niederlagen gegen Kanada (0:2), Kroatien (1:4) und Ungarn (1:2) sowie dem 2:2-Remis am Samstag in Genf gegen WM-Teilnehmer Costa Rica setzte es am Mittwochabend in Basel eine 0:1-Niederlage gegen Venezuela.

Schnelles Gegentor

Gleich die erste Chance brachte vor der spärlichen Kulisse von 1.453 Zuschauern im EM-Eröffnungsstadion St. Jakob-Park das 1:0 für Venezuela: Fernando De Ornelas war nach einer Flanke von Rojas, die sowohl Feldhofer (mit dem Kopf) als auch Pogatetz verpassten, zur Stelle und ließ Tormann Macho aus kurzer Distanz keine Chance. "Ein saudummes Tor", meinte ORF-Experte und Ex-Teamchef Herbert Prohaska in seiner Pausenanalyse.

Die Südamerikaner hatten vor dem Österreich-Match 402 Minuten lang keinen einzigen Treffer erzielt. Gegen die Hickersberger-Elf benötigten sie gerade einmal exakt acht Minuten, um diesen Bann zu brechen. Damit gelang es dem ÖFB-Team erneut nicht, dem Wunsch des Teamchefs nachzukommen und erstmals im Jahr 2006 in Führung zu gehen.

Kein Druck vorhanden

Nach dem frühen Gegentor wirkten Ivanschitz und Co. wie gelähmt, verabsäumten es vor allem, den Gegner früh zu attackieren. Die wenig mitgereisten Fans des Nationalteams machten ihrem Frust bereits nach nicht einmal einer Viertelstunde Luft und forderten den Rauswurf von ÖFB-Präsident Friedrich Stickler ("Bitte haut den Stickler raus!"). Noch vor dem Pausenpfiff bezeichneten sie dann das Trainingslager beim EURO-2008-Partner als "sinnlos in der Schweiz".

War das Costa-Rica-Spiel ein kleiner Schritt nach vorne, so war das Match gegen die Baseball-Nation Venezuela ein Riesenschritt zurück: Nicht eine einzige Chance spielten die ideen- und auch teilweise lustlos agierenden Österreicher heraus!

Weitere Chancen für die "Vino Tinto"

Die Venezolaner, die sich noch nie für eine WM qualifiziert haben und deshalb in Südamerikas Fußball nur eine Statistenrolle spielen, agierten zwar auch alles andere als souverän, hatten aber wenigstens noch weitere gute Möglichkeiten: Ein Freistoß von Rey aus rund 25 Metern bereitete Torhüter Macho Probleme (25.), und kurz nach dem Wechsel scheiterte Vallenilla aus spitzem Winkel zuerst am Außenpfosten bzw. mit dem Nachschuss am ÖFB-Schlussmann (51.).

Auf der anderen Seite musste Schlussmann Vega lediglich bei einem harmlosen Flachschuss von Akagündüz (32.) "eingreifen", ein Freistoß von Ivanschitz ging über die Latte (40.). Auch ein Doppel-Wechsel in der Pause und ein Dreifach-Tausch in Minute 63, bei dem auch der enttäuschende Kapitän Ivanschitz vom Feld musste, brachten nicht den von Hickersberger erhofften Umschwung. Selbst ein Geschenk in Form eines Fehlers von Vega nutzte das ÖFB-Team nicht: Leitgeb schoss genau den Torhüter an (74.).

Macho griff zur Notbremse

In der 84. Minute flog dann auch noch Macho nach einer angeblichen Notbremse an dem auf ihn alleine zulaufenden Gomez, der von Arango mit einem weiten Pass ideal bedient worden war, mit Rot vom Platz. Die Zeitlupe entlarvte aber die Schwalbe des eingewechselten Venezolaners.

Durch den Ausschluss hätte eigentlich ein Feldspieler der Österreicher ins Tor müssen, da Hickersberger das Austauschkontingent von sechs Mann bereits ausgeschöpft hatte. Martin Hiden war auch schon bereit, diese Rolle zu übernehmen, doch schließlich einigten sich beide Teams mit dem Unparteiischen darauf, dass Zweier-Goalie Schranz noch auf den Platz durfte (89). Und der Ersatztorhüter verhinderte mit zwei Glanzparaden gegen Guerra bzw. Gomez in der sechsminütigen Nachspielzeit das 0:2 (94., 95.).

"Eure Fußballer sind so schwach wie unsere Skifahrer", lautete der treffende Kommentar eines neutralen Schweizer Zaungastes. Man darf gespannt sein, wie sich das ÖFB-Team nun im nächsten Länderspiel am 6. Oktober in Vaduz (18:00 Uhr) gegen Fußball-Zwerg Liechtenstein präsentiert. Fünf Tage später geht es dann gegen den WM-Achtelfinalisten und EM-Co-Veranstalter Schweiz. (APA)

Freundschaftliches Fußball-Länderspiel im Rahmen des Schweizer Vierländer-Turniers am Mittwochabend in Basel:

  • Österreich - Venezuela 0:1 (0:1)
    St. Jakob-Park, 1.453 Zuschauer, SR Carlo Bertolini (SUI).

    Tor: 0:1 (9.) De Ornelas

    Österreich: Macho - Ertl (46. Junuzovic), Stranzl, Feldhofer (46. Martin Hiden), Pogatetz (74. Ortlechner/Länderspiel-Debüt) - Standfest, Prager (63. B. Kovacevic), Ivanschitz (63. Mörz), Leitgeb - Linz (89. Schranz), Akagündüz (63. Wallner)

    Venezuela: Vega - Vallenilla, Vizcarrondo, Rey, Rojas - Paez (67. Gomez), Giroletti, Vitali (82. Chichero), Arango - De Ornelas (46. Guerra), Fedor (79. Vielma)

    Rote Karte: Macho (84./Torraub)
    Gelbe Karten: Ertl bzw. Vallenilla

    • Bild nicht mehr verfügbar

      Torschütze De Ornelas feiert den frühen Führungstreffer der letztendlich die Partie entschied.

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