Skandal durch Zufallsfund von Pilzsucher aufgedeckt

5. Oktober 2006, 12:30
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Belastende Unterlagen in bayerischem Wald entdeckt - Staatssekretär geht davon aus, dass sich Skandal nicht mehr ausweitet

Metten - Der neue Gammelfleischskandal in Niederbayern ist durch den Zufallsfund eines Pilzsammlers aufgedeckt worden. Der Schwammerlsucher habe am 26. August an einem Waldweg einen Aktenkoffer mit belastenden Unterlagen gefunden und der Polizei übergeben, sagte der Leitende Deggendorfer Oberstaatsanwalt Alfons Obermeier am Dienstag. Nachdem die Polizei die Hinweise aus den Aufzeichnungen überprüft hat, sei es zur Razzia bei dem Unternehmen gekommen.

Unterdessen habe sich der Verdacht gegen den 53-jährigen Inhaber der Mettener Fleischzentrale weiter erhärtet, erklärte Obermeier. Nach seinen Angaben haben ein Drittel der bisher untersuchten 33 Proben aus dem Unternehmen ergeben, dass dieses Fleisch nicht zum Verzehr geeignet ist. Bisher seien mehr als sechs Tonnen Waren, die teils schon drei Jahre alt waren, untersucht worden. Das Fleisch, darunter Wild und Spanferkel, wurde beim Privathaus des 53-Jährigen und in einem Lager im Landkreis Passau entdeckt.

Untersuchung noch nicht abgeschlossen

Die Untersuchung von 37 Tonnen Fleisch aus einem Regensburger Kühlhaus ist noch nicht abgeschlossen. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Regensburger Ware zum Verkauf ins Ausland vorgesehen war. Ansonsten habe der Mettener Betrieb andere Händler im Inland und Metzger in der Region beliefert.

Die Behörden prüfen unterdessen, ob dem Unternehmen die Zulassung entzogen werden muss. Auf Grund der Untersuchung der nicht mehr genussfähigen Fleischproben gebe es Zweifel an der Zuverlässigkeit des Inhabers, sagte ein Sprecher der Regierung von Niederbayern. Zunächst wollen die Behörden anordnen, dass das verdorbene Fleisch vernichtet wird. Die nicht beanstandeten Waren sollen zum Verkauf freigegeben werden.

Chefermittler Obermeier geht davon aus, dass es auch früher schon bei der Fleischzentrale zu Verstößen gegen die Vorschriften kam. "Wir haben den Verdacht, dass es schon seit Jahren so geht." Der Koffer mit den privaten Aufzeichnungen, der die Ermittlungen ausgelöst hat, gehört laut dem Oberstaatsanwalt einem 19-jährigen ehemaligen Mitarbeiter des Mettener Betriebs.

In dem Aktenkoffer waren private Unterlagen, aus denen sich der Verdacht gegen das Unternehmen ergeben habe. Der 19-Jährige habe auch als Zeuge eine entsprechende Aussage gemacht. "Er hat einen Verdienstorden verdient", sagte Obermeier. Wie der Koffer in den Wald bei Hauptmannsgrub im Landkreis Deggendorf kam, sei noch unklar. Dem jungen Mann sei die Tasche abhanden gekommen.

Der Leiter des Krisenstabs im deutschen Verbraucherministerium, Staatssekretär Gert Lindemann, geht unterdessen davon aus, dass sich der bayerische Skandal nicht mehr ausweitet. "Ich glaube, die wesentlichen Punkte, die aufzuklären sind, sind aufgeklärt", sagte Lindemann im ARD-"Morgenmagazin". "Es wird jetzt darauf ankommen, es so aufzuarbeiten, dass Wiederholungen ausgeschlossen sind."

Ein Sprecher von EU-Gesundheitskommissar Markos Kyprianou sagte der "Berliner Zeitung", Brüssel sei erst am Freitagabend und damit mehr als 24 Stunden nach den Funden von vergammeltem Fleisch informiert worden. Der Sprecher erinnerte daran, dass alle EU-Mitgliedsstaaten verpflichtet seien, Verstöße gegen die Lebensmittelsicherheit unverzüglich zu melden. Dies sei wichtig, damit andere Regierungen Maßnahmen zum Verbraucherschutz ergreifen könnten.

Wie das Blatt weiter berichtete, werde das Verhalten Deutschlands in der EU kritisch gesehen. "Es war nicht das erste Mal, dass die Kommission verspätet informiert wurde", heiße es in EU-Kreisen. Deutschland sei offenbar wegen seiner föderalen Struktur dafür besonders anfällig. Lindemann räumte indirekt ein, dass der Bund seine Informationspflichten gegenüber der EU nicht erfüllt habe. (APA/dpa/AFP)

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