OECD erhöht Wachstumsprognose für Euro-Zone auf 2,7 Prozent

5. Oktober 2006, 18:59
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In Deutschland, Frankreich und Italien wird höheres Wachstum erwartet - mit Infografik

Paris - Das Wirtschaftswachstum in Europa hat nach Berechnungen der OECD unerwartet stark an Fahrt gewonnen. In einem am Dienstag veröffentlichten Zwischenbericht korrigierte die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ihre Prognose für den Euro-Raum für das Jahr 2006 von 2,2 auf 2,7 Prozent nach oben. Für die G-7-Länder wurde die Konjunktur-Schätzung von 2,9 auf 3,0 Prozent geringfügig angehoben.

Fußball-WM trug zu Wachstum bei

Die Wachstumserwartung für Deutschland wurde von 1,8 auf 2,2 Prozent BIP-Wachstum angehoben, dazu habe auch die Fußball-WM beigetragen. Die deutsche Wirtschaft werde die Erhöhung der Mehrwertsteuer und die Verteuerung des Erdöls gut verkraften. Die Steuererhöhung um gleich drei Prozentpunkte Anfang 2007 werde das Wachstum nur "kurzfristig dämpfen, aber nicht zum Entgleisen bringen", sagte OECD-Chefvolkswirt Jean-Philippe Cotis am Dienstag in Paris.

Frankreichs Wirtschaft wächst demnach um 2,4 Prozent und damit um 0,3 Prozentpunkte stärker als bisher erwartet. Großbritannien und Italien könnten laut OECD-Prognose im Gesamtjahr 2006 bei einem Wachstum von 2,8 (bisherige Prognose: 2,4) beziehungsweise 1,8 Prozent (bisherige Prognose: 1,4) landen.

Negativ-Korrektur für Japan

Dagegen fällt das Wachstum in anderen Weltregionen geringer aus als erwartet: Für Japan korrigierte der OECD-Chefökonom die Prognose von 2,8 auf 2,5 Prozent nach unten, während die USA mit 3,6 Prozent Wachstum den bisherigen Erwartungen weiter entsprochen hätten.

Zinserhöhungen möglich

Die Aufholjagd Europas gegenüber den USA und Japan könnte sich in der zweiten Jahreshälfte verlangsamen, erklärte Cotis in Paris. Dennoch seien vor dem Hintergrund der erfreulichen Entwicklung im ersten Halbjahr moderate Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank (EZB) bis zum Jahresende gerechtfertigt. Auch für die US-Notenbank Fed könnte es nötig sein, die Zinsschraube nach der Pause im August weiter anzuziehen.

Zuvor hatten die OECD und der Internationale Währungsfonds (IWF) die Europäische Zentralbank (EZB) noch gedrängt, die Zinsen nicht weiter zu erhöhen, um die wirtschaftliche Belebung nicht im Keim zu ersticken. Damit waren sie jedoch bei der EZB auf taube Ohren gestoßen. Seit Dezember des vergangenen Jahres hat sie kontinuierlich ihren Leitzins von damals 2 auf mittlerweile 3 Prozent erhöht.

An den Märkten wird damit gerechnet, dass der Zins bis zum Jahresende auf 3,5 Prozent steigt. Diese Erwartung stimme mit der OECD-Einschätzung überein, dass sich die Geldpolitik allmählich einem neutralen Niveau annähern sollte, sagte Cotis. (APA/AP/dpa/Reuters)

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