Kampusch spricht - am Boulevard

    22. Dezember 2006, 12:50
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    Keine Kontakte zu Qualitätsmedien - Lob für "soziale Kompetenz" bei "News, "Krone" - ORF-Interview am Mittwoch

    Das Wettrennen um die ersten Interviews mit Natascha Kampusch ist gelaufen. Neben dem ORF - sie wird Christoph Feurstein Mittwochabend zwanzig Minuten lang Rede und Antwort stehen - sind - wie der STANDARD bereits vorab vermutete - Gespräche mit der "Krone" sowie mit "News" geplant. Beide Zeitungen haben vereinbart, mit der Exklusivgeschichte über das Ex-Entführungsopfer gleichzeitig am Mittwochnachmittag herauszukommen.

    "Soziale Kompetenz"

    Die junge Frau habe sich für diese beiden Printmedien entschieden, "weil deren Verantwortliche auch soziale Kompetenz gezeigt" hätten, verkündete Kampusch-Medienberater Dietmar Ecker am Montag. Auf Berichterstattungsebene hatte sich diese Qualität vergangene Woche zum Beispiel im "Protokoll ihres Leidens" in News niedergeschlagen: Einem Artikel, der mit frei erfundenen Kampusch-Zitaten operierte, die im Text jedoch "Psychologen und Ermittlern" zugeschrieben wurden.

    Voigt "glücklich und froh"

    Nach dem Zuschlag für seine Zeitschrift zeigte sich News-Generalgeschäftsführer Oliver Voigt "glücklich und froh" über Kampuschs "Vertrauen ... - vor allem angesichts der Irritationen der vergangen Woche".

    In Sachen Zitate gehen nicht die offiziellen Medienvertreter der jungen Frau, sondern "ein eigener Anwalt" gegen das Hochglanzmagazin vor, ließ Kampuschs PR-Berater Dietmar Ecker verlauten. Kampuschs Medienanwälte von der Kanzlei Lansky, Ganzger und Partner vertreten, wie der STANDARD berichtete, unter anderem auch den News-Verlag (nach eigenen Angaben in Wettbewerbsfragen). Das "News"-Interview mit Kampusch wird Herausgeber Alfred Worm führen.

    "Auf Geld angewiesen"

    Die Einkünfte aus den Interviews sollten der Wienerin "einen Start in eine menschenwürdige Zukunft ermöglichen", verlautbarte Ecker offiziell auf seiner Homepage. Auch Ausbildungs- und Wohnungsfragen könnten auf diese Art gelöst werden. Dem Vernehmen nach hat die "Kronen Zeitung" der 18-Jährigen eine Anstellung auf Lebenszeit angeboten.

    Von ursprünglichen Plänen eines differenzierteren Gangs an die Öffentlichkeit - unter anderem auch in Qualitätsmedien - sei man abgekommen, "weil die junge Frau laut ihren Behandlern jahrelang auf dieses Geld angewiesen sein wird", präzisierte Ecker später. In den Tagen davor hatte Kampusch - laut ihrem Umfeld - mehrfach Interesse an Gesprächen auch mit Nichtboulevardmedien bekundet.

    ORF übernimmt Vertrieb

    Der ORF zahle keinen Cent, sagte Dietmar Ecker der APA. "Er übernimmt den internationalen Vertrieb und organisiert im Hintergrund einiges." RTL werde das Interview am Mittwoch, 21.15 Uhr senden, so ein Sprecher gegenüber Spiegel Online, DER STANDARD berichtete am Wochenende über RTL als möglichen Käufer. (Irene Brickner/DER STANDARD; Printausgabe, 5.9.2006/red)

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