Total Return-Fonds: Wundermittel oder Etikettenschwindel?

15. November 2006, 11:02
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Sie gelten als "die" Renner - Fonds die sich an keiner Benchmark messen (lassen) und auch in schlechten Phasen positiven Ertrag versprechen - Analyse von e-fundresearch

Die Kursverluste bei Aktien der Jahre 2000-2002 stecken vielen Anlegern immer noch in den Knochen. Zusammen mit den Faktum, dass rund 80 Prozent aller Fonds ihre jeweilige Benchmark langfristig nicht schlagen, Anlass genug für die Fondsindustrie eine „neue“ Kategorie von Fonds zu schaffen: Produkte die, zumindest theoretisch, gegen Kursverluste immun sind und einen „Absolute Return“, also einen auch in schlechten Marktphasen positiven Ertrag, erzielen sollen.

Performance: Absolut oder Total?

Wie komplex das Thema aber in Wirklichkeit ist, zeigt schon die unterschiedliche Begriffsdefinition von „Total“ und „Absolute Return“: Ein Total Return-Fonds hat zum Ziel, eine möglichst hohe absolute und immer positive Rendite zu erzielen. Selbst im ungünstigsten Fall soll zumindest das investierte Kapital erhalten bleiben. Also eigentlich das, was alle Investmentfonds wollen. Der Unterscheid besteht allerdings darin, dass es keine Vergleichsgröße wie einen Index gibt, an dem der Erfolg gemessen werden kann.

Absolute Return-Fonds unterschieden sich theoretisch von Total-Return-Fonds in einem Punkt: Während unter letzteren ursprünglich Rentenfonds verstanden wurden, sind Absolute Return-Fonds als völlig flexible Fonds konstruiert und ähneln in den Ansätzen eher Hedge-Fonds.

Praktisch nehmen es die Fondsgesellschaften damit aber längst nicht so genau. Die feinen Bedeutungsunterschiede der angelsächsischen Begriffe "Absolute" und "Total Return" verwischen im deutschsprachigen Fondsmarkt nahezu. Zudem sind die Fondsbezeichnungen sogar je nach Fondsgesellschaft unterschiedlich.

298 Fonds, 46 Assetklassen, 68 Milliarden Euro Volumen

Dementsprechend inhomogen stellt sich deswegen die Vergleichgruppe der „Total / Absolute Return“ Fonds dar. Die 298 verschiedenen Fonds mit Vertriebszulassung in Österreich, Deutschland oder der Schweiz - die die Fondsdatenbank Lipper per 24. August 2006 in dieser Kategorie führt - stammen aus 46 verschiedenen Assetklassen (von Anleihen Euro über Aktien Global bis hin zu Geldmarkt-, Garantie- und Hedgefonds).

Das Gesamtvolumen aller Fonds beträgt per Ende Juli 2006 jedenfalls schon beachtliche 68,5 Mrd. Euro. Die drei größten Fonds sind dabei:

1. Activest TotalReturn: 8,04 Mrd. Euro

2. dit-Euro Bond Total Return: 5,73 Mrd. Euro

3. PIMCO GIS Total Return Bond: 4,54 Mrd. Euro

Aufgelegt wurden die ersten Fonds bereits im Jahr 1986 (z.B. Dinvest Total Return Class A), der Großteil existiert aber erst seit 2001/2002. Von den 298 Fonds verfügen erst 37 über eine 5-Jahres-Historie.

Performance blieb hinter den Erwartungen zurück

Das Abschneiden ist dabei – abhängig von der zugrunde liegenden Assetklasse – ebenfalls sehr unterschiedlich, im Schnitt aber doch eher verhalten. 53 der 218 Fonds, also 24 Prozent aller Produkte (die bereits über eine solche 12-Monats-Historie verfügen), liegen über diesen Zeitraum im Minus und konnten damit ihr Anlageziel in jedem Jahr positiv abzuschneiden nicht einhalten. Weitere 70 Produkte kamen über diesen Zeitraum aber nicht an die risikolose Verzinsung - gemessen am 3-Monats-EURIBOR mit 2,6 Prozent – heran.

Seit Jahresbeginn liegen 105 aller 256 Fonds, also 41 Prozent aller Produkte, im Minus. Im Schnitt kamen die Produkte seit Jahresbeginn auf eine Rendite von 0,33 Prozent, auf 12-Monats-Sicht immerhin auf 3,35 Prozent. Zum Vergleich: Die risikofreie Verzinsung lag – gemessen am 3-Monats-EURIBOR – seit Jahresbeginn bei 1,8 und seit August 2005 (siehe oben) bei 2,6 Prozent.

Langfristig verhaltene Renditen

Erfolgreicher, aber mit 92 bzw. 32 Fonds auch weniger repräsentativ, das Abschneiden der Fonds auf Sicht der letzten drei bzw. fünf Jahre: Seit August 2003 kamen die Fonds auf Jahresrenditen zwischen 22,4 Prozent (Springer European Plus) und -4,6 Prozent (MLGSP Total Return USD), im Schnitt auf 4,3 Prozent. In den letzten fünf Jahren konnten man mit Total / Absolute Return Fonds zwischen 11,2 Prozent (C-Quadrat ARTS Best Momentum) und -3,7 Prozent (Lacuna Sicav Manager Select) verdienen, der Durchschnitt lag mit 3,4 Prozent nur um 80 Basispunkte p.a. über der risikolosen Verzinsung (3-Monats-EURIBOR: 2,6 Prozent).

Fairerweise anzumerken ist dabei aber das Faktum, dass Total / Absolute Return Fonds von ihrer Konstruktion heraus nicht für die langfristige Gewinnmaximierung entwickelt wurden, sondern vor allem danach trachten das Geld Ihrer Anleger auch kurzfristig vor Verlusten zu schützen. Ein Großteil der Fonds wird diesem Ziel gerecht, die Renditen sind aber dementsprechend gering.

Fazit

Ein abschließender Vergleich von Total bzw. Absolute Return Fonds fällt aufgrund der inhomogenen Vergleichgruppe schwer. Zu unterschiedlich sind die Konstruktionen, zu verschieden die Anlageinstrumente. Konservative Anleihenfonds werden dabei ebenso mit einem „Total Return“ Etikett versehen wie globale Aktienfonds, Hedge- oder Garantiefonds. Der Anleger sollte vor dem Hintergrund der großen Vielfalt die Anbieter zuallererst an ihren eigenen Vorgaben messen. Denn generell sollte diese Produkte in jedem Kalenderjahr bzw. 12-Monats-Periode einen absolut positiven Ertrag erzielen. In zweiter Linie muss sich der Anleger bewusst sein, dass eine Absicherung nach unten nicht umsonst ist und dementsprechend ein eingeschränktes Gewinnpotenzial in aufwärtsstrebenden Märkten bedeutet. Auf 5-Jahres-Sicht kamen die untersuchten Fonds jedenfalls auf eine Jahresrendite von 3,4 Prozent und damit gerade einmal um 0,8 Prozent p.a. mehr als die risikolose Verzinsung gemessen am Ertrag des 3-Monats-EURIBOR mit 2,6 Prozent.

Alle Daten per 24.8.2006 in Euro / Quelle: Lipper

LINK: Die gesamte Analyse (inkl. Tabelle der Top-Fonds) finden Sie hier.

Die wichtigsten Infos zu Fondsinvestments finden Sie unter www.fonds1x1.com

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