Bodegas Tradición – der Name verpflichtet

27. August 2006, 17:30
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Geld verdirbt den Charakter, so sagt man. Den Wein zum Glück nicht. Ein Bodegaportrait in Teil 26

Während der Großteil der Branche über Verkaufsrückgänge klagt, oft nicht weiß, woher er das Geld für notwendige Investitionen hernehmen soll, stellte das alles für die Bodegas Tradición kein Problem dar. Mit dem finanziellem Hintergrund von Joaquín Rivero (einer der Immobilienmagnaten Spaniens) und dem Anspruch, ausschließlich Topqualität zu produzieren, 1998 gegründet, renovierte man eine aufgelassene, zur Ruine verfallene Bodega – einstmals im Besitz von Domecq - aus dem 19. Jahrhundert in bester Stadtlage (Plaza Cordobeses, 3) – aufgrund ihres Standortes auch bester Bodegalage - unmittelbar an den alten Stadtmauern und besitzt damit heute eines der Bodegaschmuckstücke in Jerez.

Um für ihre Weine die notwendige Grundlage zu haben, war es Dank der finanziellen Ressourcen möglich, auf wahre Schätze diverser anderer Bodegas zurückgreifen. So konnten teils uralte Soleras von Croft, Bobadillo, Osborne, Delgado-Zuleta, Harveys und Domecq erstanden werden, die heute den Grundstein für die vier Weine der Bodega (Amontillado, Oloroso, Palo Cortado, Pedro Ximenez) bilden.

Der Unterschied

Offensichtlichster Unterschied zu anderen Bodegas ist die Konzentration auf und die Produktion von ausschließlich VOS (Pedro Ximénez) und VORS Weinen (Amontillado, Oloroso, Palo Cortado) und damit auch der Verzicht auf den schnellen Reibach. Mit dem Anspruch, nur was wirklich top ist, verlässt das Haus – sollte der Wein eben noch brauchen, dann lässt man ihm noch die nötige Zeit (klar, auch wieder nur möglich durch den finanziellen Hintergrund und dem Prinzip, mit der Bodega nicht vordergründig Geld verdienen zu müssen und der Vision den vier Sherries der Bodega den entsprechenden Platz unter den großen Weinen der Welt zu sichern – das der Weg der richtige ist, belegen diverse nationale und internationale Auszeichnungen). Die Weine kommen praktisch fast unfiltriert und unbehandelt auf die Flasche – bei dem Alter der Weine fast selbstverständlich.

Derzeit besitzt die Bodega rund 1.500 Fässer, wobei bei entsprechendem Angebot (vor allem, was die Qualität betrifft) diese Zahl durchaus steigen kann.

Nachschubprobleme

Die Frage, ob sich natürlich auf Dauer entsprechender Nachschub für die Criaderas und Soleras finden lässt, wird sich in den nächsten Jahren beantworten, aber bei der derzeitigen Lage am Sherrymarkt, sollte das wohl nicht das Problem werden.

Wein und Kunst

Ein viel besprochenes Thema, das hier in Reinform zu bewundern ist. Befindet sich doch seit Juni (nach dementsprechender Adaptierung – Weine und Gemälde haben dann doch etwas unterschiedliche Anforderungen an ihre entsprechende Lagerung) in einem Teil der Bodega ein Auszug der Gemälde der Collecíon Joaquín Rivero (eine der größten Privatsammlungen spanischer Malerei des 16. Bis 19. Jahrhunderts), mit Werken von unter anderem Velázquez, Labrador, Valdés Leal, Goya etc. Mittlerweile umfasst die sich im ständigen Wachstum befindliche Colección rund 300 Werke und bietet in Kombination mit einem Bodegabesuch eine lohnende Alternative zu den klassischen Touristentouren in anderen Bodegas.

Tipp am Rande: man spricht deutsch. Einfach nach der netten Ulli aus Österreich fragen.

Nun genug der Lobhudelei, was können die Weine (nach der Beschreibung finden sie in Klammer Speisenempfehlungen der Bodega zu ihren Weinen) nun wirklich?

  • Amontillado
    Im Glas mahagonifarben mit grünen Reflexen, Nase Mandel, Nuss, etwas Medizinalnoten, Tabak, Leder, am Gaumen staubtrocken, prägnante Säurestruktur, salzige Aromen, Flor präsent, sehr frischer, jugendlicher Eindruck, Nuss geht auf, Trockenfrüchte, sehr fein ziseliert, bleibt am Gaumen ewig haften und hinterlässt auch hier einen erfrischenden Eindruck (Artischocken, Spargel, Consommé, reifer Käse, helles Fleisch, Geräuchertes)
    9 Punkte

  • Oloroso
    Dunkles rotgold im Glas, rauchige Specknoten, Gewürze, Zedernholz, Tabak, etwas Vanille, Cognac, Mokka, sehr breiter Körper, auch hier viel Mokka, Trockenfrüchte, dezente Salznoten, viel grüne Nuss, geht auf, etwas süßlicher Eindruck, fett, füllt den Gaumen, langer Nachhall von Mokka und Nuss (Jamón Serrano, Geschmortes, Wild, alte Käse – passt auch hervorragend zu Zigarren)
    9 Punkte

  • Palo Cortado
    Bilderbuch-Palo Cortado, spitze Nase, etwas Vanille, Mandel, Paprika, sehr feine Struktur, am Gaumen sehr breit (aber immer fein strukturiert) mit salzigen Aromen und gleichzeitig etwas Glyzerin-Süße, geht explosionsartig auf, unendlich viel Nuss, Trockenfrüchte, salzige und süße Noten wechseln sich ab und begleiten den langen Abgang (Foie gras, Trockenfrüchte, luftgetrocknetes Fleisch, Schinken, Pasteten, Quiche)
    9,5 Punkte

  • Pedro Ximénez
    Sehr dunkel, in der Nase noch frische Frucht, etwas Tabak, Honig, Dörrobst und Lakritze, am Gaumen sehr üppig und sirupartig, wirkt durch Säure allerdings niemals klebrig, komplex mit vielen Kräutern, bleibt mit einem frischen Eindruck sehr lange stehen (Schokolade, Eis, Blauschimmelkäse, kräftige Havannas)
    8 Punkte

    Fazit: Geld mag vielleicht den Charakter des einen oder anderen Menschen verderben, den Weinen der Bodegas tut es auf jeden Fall gut!

    Bezug zum Beispiel über www.al-andalus.at
    (Klaus Hackl)

  • Bodegas Tradición, S.L.
    Plaza Cordobes, 3
    11408 Jerez de la Frontera
    Tel. +34 956168628
    www.bodegastradicion.com
    jerez@bodegastradicon.com
    • Die glorreichen Vier.
      foto: bodegas tradición

      Die glorreichen Vier.

    • Artikelbild
      foto: bodegas tradición
    • Artikelbild
      foto: bodegas tradición
    • Ein würdiger Rahmen für die Colección Joaquín Rivero.
      foto: bodegas tradición

      Ein würdiger Rahmen für die Colección Joaquín Rivero.

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