EU gegen Einfuhr von Gen-Reis aus den USA

6. Oktober 2006, 12:15
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Bei Feldversuch irrtümlich freigesetzt

Washington/Brüssel/Wien - Die EU-Kommission geht gegen die Einfuhr von Reis aus den USA vor. Sie verweist darauf, dass für den Import in die EU eindeutig nachgewiesen werden muss, dass der Reis nicht gentechnisch verändert worden ist. Nur wenn dies der Fall ist, dürfen solche Produkte EU-weit verkauft werden.

Beim aktuellen Fall geht es um die Verhinderung des Imports einer gentechnisch veränderten Reissorte der Bayer-Tochter BayerCropScience aus den USA. Aus bisher noch nicht geklärten Umständen waren gentechnisch veränderte Bestandteile in herkömmlichem Reis entdeckt worden. Der nicht zugelassene Gen-Reis von Bayer war in Spuren in Containern gefunden worden.

Bayer unternahm in den USA Feldversuche, die aber eigentlich im Jahre 2001 beendet wurden. Nach Angaben von Bayer stehen die Spuren in Verbindung mit einem Entwicklungsprojekt, das im Vorfeld einer möglichen Vermarktung von gentechnisch verändertem Reis durchgeführt wurde. Die US-Behörden leiteten eine Untersuchung ein. Bayer CropScience hat inzwischen die Zulassung der Gen-Reis-Sorte in den USA beantragt.

Eine Gefahr für die Umwelt sah die US-Regierung jedoch nicht. Sowohl das US-Gesundheitsministerium als auch das Landwirtschaftsministerium seien von Bayer informiert worden. "Beide haben die verfügbaren wissenschaftlichen Daten überprüft und sind zu dem Schluss gekommen, dass es keine Sorgen im Zusammenhang mit dem gentechnisch veränderten Reis gibt", sagte US-Landwirtschaftsminister Mike Johanns.

Japan stoppte Import

Die US-Behörden und die Lebensmittelexperten der EU-Kommission arbeiten diesmal zusammen. Es ist noch nicht klar, ob und in welchen Mengen Gen-Reis auf den europäischen Markt gelangt ist, hieß es in Kommissionskreisen. Dies sei ein gravierender Unterschied zum Gen-Mais aus dem Vorjahr, der eindeutlich gentechnisch verändert worden ist. Japan hat wegen des Vorfalls bereits den Import von Langkornreis aus den USA gestoppt. Die Hälfte des Reises in den USA ist für den Export bestimmt.

Wie aus EU-Kreisen verlautete, wird auf eine Parallele aus dem Vorjahr verwiesen. Die EU-Kommission blockierte damals die Einfuhr von Futtermais aus den USA und verlangte ein Zertifikat, das den so genannten Bt-10-Mais als unbedenklich auswies. Damals war es zu einer schweren Verstimmung zwischen der EU und den USA gekommen, die gegen die Brüsseler Maßnahmen Protest einlegten, die einem Importverbot gleichkamen. (afs, dpa, Reuters, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.8.2006)

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