Gesucht: Mehr Mediatoren

8. März 2007, 11:55
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Professionelle Konfliktlösung ist eine zukunftsträchtige Branche, das Masterprogramm "Mediation und Konfliktmanagement" ein möglicher Einstieg

Professionelle Konfliktlösung ist eine zukunftsträchtige Branche, wie eine aktuelle Studie wieder einmal bestätigt. Programme gibt es mittlerweile viele. Das Linzer Masterprogramm "Mediation und Konfliktmanagement" ist ein möglicher Einstieg.

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Mediation sucht nicht nach Schuldigen, sondern versucht, die Bedürfnisse und Interessen aller Beteiligter zu erhellen, um gemeinsam Konflikte zu lösen. Relativ knapp wird der Begriff auf diese Weise an der Linzer Johannes-Kepler-Uni zusammengefasst, wo am 12. Oktober der bereits zweite Universitätslehrgang für "Mediation und Konfliktmanagement" (verliehener Titel: "Professional Master of Mediation", PMM) startet.

Der Fokus liegt auf der konfliktgeladenen Arbeitswelt genau so wie auf dem nicht minder streitanfälligen Privatleben. Wirtschafts- und Umweltkonflikte, Streit in der Schule, Probleme in Familie und Partnerschaft sowie interkulturelle Konflikte werden behandelt. Als Ziel definierte man "ein systemisches Verständnis von Beziehungen zwischen Menschen und Organisationen, woraus konstruktive Handlungskompetenzen für unterschiedliche Konfliktsituationen erschlossen werden". Zudem bildet der viersemestrige berufsbegleitende Lehrgang die Voraussetzung, um sich in die Liste eingetragener Mediatoren des Justizministeriums einzuschreiben.

Dass der Bedarf an professioneller Konfliktbereinigung gegeben ist, besagt auch die aktuelle Untersuchung "Wirtschaftsmediation und Konfliktlösung in österreichischen Unternehmen", die von der Unternehmensberatung Wietasch & Partner gemeinsam mit dem Institut für Grundlagenforschung (IGF) durchgeführt wurde.

"Munition"

Befragt wurden Führungskräfte aus 300 Unternehmen (mit mehr als 80 Mitarbeitern), anhand deren Meinung man herausfand, wie es um die Konfliktsituation der Unternehmen bestellt ist, "und inwieweit sich Wirtschaftsmediation als Konfliktlösungsinstrument durchsetzt", erklärt Ernestine Depner-Berger vom IGF. Großer Tenor ist, dass das Konfliktpotenzial über die nächsten Jahre sicher steige: 51 Prozent der Führungskräfte rechnen "eher" mit einer Zunahme, 14 Prozent sogar stark. Ursachen seien der wachsende Druck auf die Unternehmen durch strukturelle Veränderungen wie Fusionen, Börsengänge, Grenzöffnungen und verstärkter Wettbewerb.

Konflikte, wie sie bereits jetzt wahrgenommen werden, würden in großem Stil ganz einfach nicht angesprochen, wofür nach Barbara Wietasch (Wietasch & Partner) verschiedene Angstmotive verantwortlich sind. Die Unternehmerseite will zu 63 Prozent schlicht einer unangenehmen Situation ausweichen, gefolgt von Eskalationsängsten (52 Prozent) aufgrund mangelnder Geschultheit von Führungskräften. Die Angst vor Verantwortung spielt bei 49 Prozent der Befragten in leitender Position eine bedeutende Rolle. Die Hälfte der 300 untersuchten Betriebe verfügen nicht einmal über eine geregelte Vorgangsweise im Konfliktfall.

Wie die Studienleiter anmerken, hat sich im Bewusstsein der Unternehmer seit zwei Jahren nichts geändert: Die genannten Zahlen entsprächen fast auf den Prozentpunkt genau den Ergebnissen einer ersten Studie aus dem Jahr 2004. (mad/DER STANDARD Printausgabe)

  • Konflikte in der Arbeitswelt sind ein Schwerpunkt des Masterprogramms.
    foto: standard

    Konflikte in der Arbeitswelt sind ein Schwerpunkt des Masterprogramms.

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