Generika gegen Aids dringend gefordert

29. November 2006, 15:07
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Proteste gegen Pharmafirmen, welche HIV-Medikamente zu Preisen vertreiben, die für die Armen der Welt unerschwinglich sind - mit Grafik

Toronto - Zu Tagungsbeginn am Sonntag wurde demonstriert: "Jetzt, nicht später", sei wirksame Behandlung jener Mehrheit Aidskranker nötig, die in den armen Regionen der Erde leben - forderten protestierende HIV-Infizierte und Helfer vor dem Tagungsort der bisher größten Konferenz gegen die Immunschwächekrankheit Aids im kanadischen Toronto.

Adressatin der Kritik war die Pharmaindustrie, die aufgefordert wurde, auf lukrative Pillenpatente zu verzichten, um die Anfertigung von billigen Generika zu ermöglichen. Die Armen der Welt - so die Protestierenden - kämen nach wie vor nur schwer an die teuren, weil unter Patenschutz stehenden Medikamente für eine Kombinationstherapie gegen Aids. Dabei ermöglichten diese Pharmaprodukte ein Überleben trotz Infektion über viele Jahre bis Jahrzehnte hin.

40 Millionen Infizierte

Derzeit sind weltweit rund 40 Millionen Menschen mit HIV infiziert, im Jahr 2005 starben 2,8 Millionen Personen an Aids, 4,1 Millionen infizierten sich neu. Allein 25 Millionen aller Infizierten leben in den armen Ländern Afrikas. Dort sowie in den Entwicklungsländern Asiens hat nur jeder fünfte Bedürftige Zugriff auf die rettenden Pillen.

Daher müsse das Leben von Menschen mit Aids "in den Mittelpunkt gerückt werden", unter anderem durch Spenden: eine Forderung, für die die alle zwei Jahrre stattfindende, heuer sechstägige Megakonferenz einen geeigneten Ort bietet. An die 24.000 Teilnehmer werden in Toronto erwartet, neben namhaften Wissenschaftern auch Prominente. Allein zur Eröffnungsshow wurden neben der Sängerin Alicia Keys auch der Schauspieler Richard Gere erwartet. Sowie Bill und Melinda Gates, die mit ihrer Stiftung bereits mehr als 30 Milliarden US-Dollar für internationale Aidsprojekte gespendet haben.

Doch auch diese stolze Summe kann an dem ungleichen Zugang zu Aidsmedikamenten nichts ändern. Zwar hat sich die Kombinationstherapie erster Wahl durch Generkaproduktion von früher 7800 auf 160 Euro für eine Behandlung pro Jahr reduziert. Hat das Virus jedoch bereits Resistenzen entwickelt, kostet die Therapie nach wie vor rund 1100 Euro jährlich. (bri/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14. 8. 2006)

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    grafik: der standard
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