Der Apfel nährt den Mönch: Obst von den Schotten

11. August 2006, 20:31
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Die Apfelbäume sind sozusagen in geistlicher Hand - Seit Jahrhunderten zählen die Schotten zu Wiens Großbauern

Wenn man in einer Großstadt wie Wien von einem landwirtschaftlichen Traditionsunternehmen sprechen kann - dann ist das ganz sicher das Stift Schotten. Denn als im Jahre 1694 der Schottenabt Sebastian I. Faber nach der zweiten Türkenbelagerung den Plan fasste, das verwüstete und verödete Gebiet um Breitenlee wieder zu kultivieren - da war das nämlich schon der zweite Anlauf.

Wirklich begonnen hatte es mit den "Schottenbauern" in Breitenlee bereits im Jahre 1160, als den Mönchen ein Gut zugefallen war. 40 Jahre später bestätigte Herzog Leopold VI, der Glorreiche, diesen "Mansus" - ein Landgut, das seinen Mann gut ernähren konnte - in "Praitenlev".

Seither brachten nur die Türkenkriege eine wirklich einschneidende Zäsur - da die Schotten nach der ersten Belagerung Wiens so verarmt waren, dass die Äcker an 17 Bauern aus Hirschstetten und Stadlau verpachtet werden mussten.

Jetzt aber ist das Stift Schotten neben den stadteigenen Betrieben in Wien einer der wichtigsten Player in der landwirtschaftlichen Produktion: 100 Hektar Ackerbau und dazu 25 Hektar Obstkulturen werden von diesem Betrieb innerhalb der Stadtgrenzen bewirtschaftet. Und dazu kommen noch "Außenstellen" in Niederösterreich und im Burgenland. Insgesamt gedeihen auf 70 Hektar "schottische" Apfelkulturen.

"Unser Bestreben ist es, noch mehr Dauerkulturen zu schaffen und den Obstbau auszuweiten", erläutert Bernhard Schabbauer, der die "schottische" Landwirtschaft in Wien vor sechs Jahren von seinem Vater als Betriebsleiter übernommen hat.

Dass das Stift schon längst der größte Obstbauer der Stadt ist, kann man im Grunde einem gewieften Winkelzug verdanken. "Macht's a Dauerkultur", hatte ein Rathausbeamter den Schotten vor mehr als 25 Jahren heimlich geflüstert - "sonst bekommt's a Umfahrungsschnellstraße mitten durch euer Gebiet."

Apfel-Schmankerln

95 Prozent des Obstbaus sind Äpfel - insgesamt 14 Sorten wachsen in den Schottengärten. Von den weithin bekannten wie Gala und Granny Smith bis hin zu den weniger bekannten Schmankerln wie Cox Orange, Rubinette, Pink Lady und Rubens - "der ist, wie der Name schon sagt, von der Form her ein sehr üppiger Apfel", erläutert Schabbauer.

Wie viel bei den Schotten geerntet wird? "Je mehr desto besser", lacht der Betriebsleiter. In Summe so rund zwei Millionen Kilo Äpfel pro Jahr, rechnet der vor.

Und davon wird versucht, möglichst alles zu verkaufen. Sei es als ganze Frucht - oder als Apfelstücke oder als Ringe, die an Bäckereien und Konditoren gehen. Und zu Saft werden die Äpfel in der buckligen Welt verarbeitet.

So dynamisch das alles klingt - "Bauer zu sein wird in Wien immer schwieriger", vergleicht Vater Gottfried Schabbauer mit früher, als er selbst noch den Landwirtschaftsbetrieb leitete. "Die Kostenschere geht immer weiter auseinander."

Die Löhne sind in den vergangenen Jahren um 15 Prozent gestiegen, die Energiekosten explodieren - und gleichzeitig stagnieren die Preise für die Produkte. Seit dem EU-Beitritt sei die Wertschöpfung um 25 Prozent gesunken, rechnet Schabbauer.

Weniger Anbaufläche

Dazu kommen noch die Grundverluste, die die Schotten in den vergangenen zehn Jahren hinnehmen mussten - vor allem durch den Straßenbau gingen dem Betrieb Anbauflächen verloren. Und wenn es um Widmungen geht, da heißt es im Landwirtschaftsbetrieb der Schottenmönche nur noch: "Glauben darfst ihnen nichts. Bei Grund und Boden hört sich der Glaube auf."

Daher ist für Schabbauer junior, den neuen Betriebsleiter, inzwischen längst klar: "Die Landwirtschaft weiter zu erhalten, ist nur mit einem vernünftigen Nebeneinkommen möglich."

Und das ist für Schabbauer: "Jede Form von Energie." Drei Windräder haben sie schon im Raum Gänserndorf stehen und auch eine Biogasanlage - die sie gerne erweitern würden. "Die Verdoppelung der Anlage ist schon fast fertig - aber wir warten noch auf einen ordentlichen Einspeisetarif."

Da sei Österreich ein richtiger Nachzügler: "Sogar in Tschechien haben sie schon eine ordentliche Investitionsförderung und einen anständigen Tarif", drängen die Schabbauers.

Diesel Marke Eigenbau

Inzwischen konzentriert sich Schabbauer junior eben auf andere Projekte. Etwa dass sie im kommenden Jahr den Treibstoff für die Dieselaggregate und Traktoren selbst herstellen wollen. "Das wird von Woche zu Woche rentabler." Damit ist die aktuelle Preisentwicklung an den heimischen Tankstellen angesprochen.

Oder die geplante Investition, um die Verarbeitung der Ernteprodukte rationalisieren zu können. "Da werden wir um einen Neubau nicht herum kommen"; weiß Schabbauer. "Wir brauchen einen Raum, in dem wir sortieren, verpacken und kommissionieren können, ohne viel spazieren fahren zu müssen." Und das ist in der Altsubstanz - in den ehemaligen Schweineställen des altehrwürdigen Traditionsbetriebes nicht möglich. (Roman David-Freihsl, Christian Fischer/DER STANDARD-Printausgabe, 12./13.08.2006)

  • Cox Orange, Rubinette, Pink Lady und Ruben: 14 Sorten Äpfel gedeihen auf den Kulturen der Schotten in Breitenlee, betreut von Bernhard Schabbauer.
    foto: christian fischer

    Cox Orange, Rubinette, Pink Lady und Ruben: 14 Sorten Äpfel gedeihen auf den Kulturen der Schotten in Breitenlee, betreut von Bernhard Schabbauer.

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