Schüssel: "Sicher kein Pflegenotstand"

21. August 2006, 12:56
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Bundeskanzler warnt vor Verunsicherung der betroffenen Bevölkerung - Caritas-Direktor Landau fordert "nationalen Aktionsplan"

Wien - Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) hat sich in der Diskussion um das Pflegepersonal mit einem Kalmierungsaufruf eingeschaltet. Er appellierte im Pressefoyer nach dem Ministerrat an die Medien, die betroffene Bevölkerung durch Schreckensmeldungen nicht zu verunsichern. In Österreich gebe es "sicher keinen Pflegenotstand", so der Kanzler.

Es gebe den erfreulichen Trend, dass wir länger leben, aber sicher keinen Pflegenotstand. Österreich habe ein hervorragendes Angebot an medizinischen Leistungen. Über die zuletzt vorgebrachten Ideen, wie das Au-pair-Modell von Nationalratspräsident Andreas Khol (V) sowie den Vorschlag nach einem eigenen Lehrberuf von BZÖ-Chef Peter Westenthaler zeigte sich Schüssel grundsätzlich diskussionsbereit. "Jede Idee ist willkommen", sagte Schüssel. Was man nicht wolle, ist eine mediale Kampagne, die ältere Menschen verunsichere, sagte der Kanzler.

Landau fordert "nationalen Aktionsplan"

Der Wiener Caritas-Direktor Michael Landau hat am Dienstag seine Forderung nach einem "nationalen Aktionsplan" für die Pflege in Österreich erneuert. Er plädierte auch dafür, eine parlamentarische Enquete zu dem Thema durchzuführen, wie Kathpress berichtete. Zu Wort meldete sich auch der Katholische Familienverband, der eine Reform des Bundespflegegeldgesetzes vorschlug. Rudolf Kaske, Chef der Gewerkschaft für persönliche Dienste, forderte einen Pflegegipfel.

Für Landau ist das Thema Pflege "eine der ganz großen Herausforderungen für die Zukunft", der sich jede künftige Bundesregierung "mit hoher Priorität" stellen müsse. Mehr Augenmerk müsse man auch auf die pflegenden Angehörigen legen, so Landau. Diese bräuchten dringend mehr finanzielle Unterstützung sowie mehr Beratung und Entlastung. Das gelte umso mehr, als in den kommenden Jahren die Zahl der Demenzerkrankungen stark steigen werde und gerade die Betreuung demenzkranker Patienten besonders fordernd sei.

Nach Ansicht des Katholischen Familienverbandes sollen Pflegegeldbezieher die Möglichkeit bekommen, eine Person behördlich zu nennen, die das vorgesehene Pflegegeld des Patienten direkt bezieht und davon ihre Sozialversicherungsabgaben bezahle, wie Präsident Johannes Fenz in einer Aussendung einforderte. Eine dahingehende Reform des Pflegegeldgesetzes würde die Leistungen von Familienangehörigen aufwerten. Diese könnten sich dabei Pensionszeiten erwerben, argumentierte Fenz.

HGPD-Chef Kaske sprach sich in einer Aussendung gegen das von Nationalratspräsident Andreas Khol vorgeschlagene Au-pair-Modell für die Lösung des Pflegeproblems aus. Auch den Ansatz, Jugendliche in der Hauskrankenpflege und Betreuung einzusetzen, lehnte er ab. An dem geforderten Pflegegipfel sollten Betroffene, Verantwortliche des Bundes, der Länder, Hilfsorganisationen und Sozialversicherungsträger zusammenkommen, meinte er. (APA)

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