Reifen auf Schumachers Seite

6. August 2006, 16:26
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Bridgestone hat das Kommando übernommen - Weltmeister Alonso hofft auf Ungarn-Effekt - Klien: "Bridgestone ist zur Zeit besser"

Budapest - Die Formel-1-Welt ist sich einig: Der zuletzt nicht immer restlos überzeugende Reifen-Hersteller Bridgestone ist zurück. Die Japaner haben sich zuletzt gegenüber dem französischen Konkurrenten Michelin einen kleinen Vorteil verschaffen, der sich in drei Siegen in Folge für Michael Schumacher manifestierte. Der Ferrari des deutschen Rekord-Weltmeisters ist mit Bridgestone-Pneus bereift, der Renault von Titelverteidiger und WM-Leader Fernando Alonso mit Michelin.

Auf dem Hungaroring geht der so genannte "Reifenkrieg" in die 13. von 18 Runden. Während mitunter bereits Stimmen für einen Einheitsreifen schon vor 2008 laut werden, setzt Alonso ganz auf eine Rückkehr zur Leistung seines zu Saisonbeginn noch sehr stabilen Fabrikats. "Die Reifen, die man in Ungarn braucht, unterscheiden sich grundlegend von jenen in Deutschland", erklärte der Spanier, dessen 25-Punkte-Polster auf Schumacher bereits auf elf Zähler geschmolzen ist.

Briatore wird unruhig

In Hockenheim war Alonso von starker Blasenbildung an seinen Pneus und Graining (Verschiebung von Gummi an der Reifenoberfläche) auf Platz fünf zurückgeworfen worden. "Das hat man ja sogar im Fernsehen gesehen", schimpfte Renault-Teamchef Flavio Briatore und nahm den Reifenhersteller in die Pflicht: "Sowohl wir als auch Michelin müssen noch mehr und härter arbeiten." Noch vor wenigen Wochen hatte der Italiener vollmundig getönt: "Wir sind unschlagbar."

Nun sind sich auch die österreichischen Fahrer einig. "Bridgestone ist zur Zeit der bessere Reifen und ohne sehr guten Reifen nützt einem das beste Auto nichts", erklärte Red-Bull-Pilot Christian Klien. "Das betrifft uns genauso wie Renault." Die Franzosen vielleicht sogar noch ein wenig mehr. Erstmals in dieser Saison brachte das Weltmeister-Team in Hockenheim keinen Fahrer auf das Podest und drohte sogar ins Mittelfeld abzurutschen.

Wurz sieht Renault unter Zugzwang

"Sie stehen unter Zugzwang, denn Ferrari wird auch in Ungarn mit Sicherheit wieder den Ton angeben", meinte Williams-Testfahrer Alexander Wurz. Der Niederösterreicher freut sich allerdings über den Quantensprung, den Bridgestone gemacht hat. Sein Team wird ebenso mit japanischen Pneus ausgerüstet wie Ferrari, Toyota, Midland und Super Aguri. Michelin steigt bereits mit Saisonende aus der Königsklasse des Motorsports aus.

Wurz heimste für seine Entwicklungsarbeit bei Insidern viel Lob ein, darf sich auch einen "Königsmacher" nennen, falls Schumacher doch noch Champion wird. "Dem Alexander Wurz hat man die grundsätzliche Entwicklung der Bridgestone-Reifen zu verdanken", lobte etwa Ex-Pilot Christian Danner vergangenen Sonntag in Hockenheim.

Alonso noch nicht in Panik

Alonso lässt sich von den Reifen-Diskussionen nicht beunruhigen. "Wir verfallen deswegen nicht gleich in Panik", versicherte der 25-Jährige, der vor drei Jahren in Budapest als jüngster Pilot aller Zeiten seinen ersten Grand-Prix-Sieg gefeiert hatte. "Ich sehe keinen Grund dafür, nicht wieder ganz vorne zu landen", erklärte der Spanier. Doch ausgerechnet auf dem Hungaroring hatten Renault im Vorjahr nicht einmal einen Fahrer in die Punkteränge gebracht. Der Sieg ging an Vize-Weltmeister Kimi Räikkönen im McLaren-Mercedes.(APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Flotter Gummi.

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