ORF-Wahl: Suche nach Direktoren-Team beginnt

11. August 2006, 19:26
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Mück bei Lindner und Lorenz am Ticket - Lindner will Kaufmännischer Direktion Kompetenzen entziehen

Im Rennen um die ORF-Wahl am 17. August beginnt nun die Suche nach den Direktoren-Teams. Mit ORF-Chefin Monika Lindner und ORF-Programmplaner Wolfgang Lorenz stehen vorerst - bis 10. August könnten weitere Bewerber nach nominiert werden - die beiden aussichtsreichsten Kandidaten fest. Unter Stiftungsräten kursieren inzwischen die Namen potenzieller Direktoren im Team von Lindner und Lorenz. "Es geistert einiges herum, aber es gibt noch keine fixierten Teams", formuliert es ein Mitglied des 35-köpfigen ORF-Aufsichtsgremiums, das die Wahl des Generaldirektors sowie der Direktoren vornimmt.

Mück bei Lindner und Lorenz am Ticket

Sowohl Lindner als auch Lorenz sollen demnach den umstrittenen ORF-Chefredakteur Werner Mück, der zuletzt einige Kritik einstecken musste, als Informationsdirektor auf dem Ticket haben. Als Programmdirektor sei bei Lindner der frühere Ö3-Chef Bogdan Roscic im Gespräch. Dieser soll der ORF-Chefin aber einen Korb gegeben haben. Auch Lorenz soll an Roscic als Programmdirektor interessiert sein. Eine weitere Lorenz-Variante in Sachen Programm sei Martin Kraml, wird erzählt. Der Produzent ist Mitbegründer des Medienzentrums "Marx" auf dem Areal des früheren Schlachthofes St. Marx und Lebensgefährte der EU-Abgeordneten und ehemaligen ORF-Journalistin Karin Resetarits.

Hörfunkdirektion

Als mögliche Hörfunkdirektorin unter einer wiedergewählten Lindner wird Brigitte Wolf, Direktorin im ORF-Landesstudio Wien und einst enge Mitarbeiterin von Gerd Bacher, genannt. Auch über den burgenländischen Landesdirektor Karlheinz Papst sei in diesem Zusammenhang unter Stiftungsräten schon gesprochen worden. Wolf und Papst gelten als unabhängige Programmmacher, arbeiten aber in SPÖ-regierten Bundesländern und könnten so als Signal Lindners an SPÖ-Stiftungsräte gewertet werden. Über Lorenz-Kandidaten ist im Radiobereich bisher wenig zu hören.

Alexander Wrabetz, Kaufmännischer ORF-Direktor, der mit Unterstützung von BZÖ- und SPÖ-nahen Stiftungsräten noch für das Rennen um den ORF-Generaldirektor nachnominiert werden könnte, befindet sich dem Vernehmen nach sowohl auf dem Ticket von Lindner als auch Lorenz. Wrabetz soll demnach in seiner Funktion bleiben, bei Lindner allerdings mit abgespeckten Kompetenzen. So schlägt Lindner in ihrem Bewerbungskonzept unter dem Punkt "Zuständigkeitsverteilung" dem Stiftungsrat vor, die bei der ORF-Enterprise angesiedelte ORF-Werbung sowie die Beteiligungsverwaltung von der Kaufmännischen Direktion abzuziehen.

Verschiedene LesartenB

Im ORF gibt es dazu verschiedene Lesarten: Zum einen könnte es sich um eine "Drohung" gegen Wrabetz handeln, damit dieser nicht selbst bei der Generaldirektorenwahl antrete, zum anderen soll es sich um einen ÖVP-Wunsch handeln. Wenn Lindner den SP-nahen Wrabetz im Team wolle, dann soll er zumindest sein "Imperium" verlieren. Darüber hinaus könnte es sich auch um ein vorsorgliches Entziehen von Kompetenzen für den Fall handeln, dass im Abtausch für BZÖ-Stimmen ein BZÖ-naher Manager als Kaufmännischer Direktor kommt, wie es heißt. "Wenn die Werbung und die Beteiligungsverwaltung weg sind, dann bleiben nur noch Buchhaltung und Controlling", so ein Kenner der Materie.

Am "ungeklärtesten" ist nach Auskunft von Stiftungsräten die Besetzung des Technischen Direktors. Während von Lorenz' Vorstellungen hier noch nichts zu hören ist, dürften bei Lindner sowohl der aktuelle Technische Direktor Andreas Gall als auch dessen Vorgänger Peter Moosmann Chancen auf den Posten haben. Für Moosmann plädieren vor allem die zwei im Stiftungsrat stimmberechtigten SPÖ-Betriebsräte. Moosmann sorgte einst für eine höhere Gehaltseinstufung eines der beiden Arbeitnehmervertreter. (APA)

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