Textilhändler werden Mangelware

30. August 2006, 14:36
5 Postings

Bisher blieb die Branche noch von extremer Konzentration relativ verschont. Damit ist es vorbei

Wien – "Seit 2001 heißt es für drei Bekleidungsgeschäfte pro Woche: Sperrstunde", schreibt das Handelsberatungsunternehmen Regioplan in einer Aussendung am Dienstag recht plakativ. Die seit Jahren konstant rückläufige Anzahl der Geschäfte (siehe Grafik) spreche "eine deutliche Sprache". Der Einzelunternehmer unter den "Fetzentandlern" (wie Branchenvertreter sich selbst in Ironiemomenten bezeichnen) wird also zunehmend zur Mangelware.

Faktum ist: Langsam, aber sicher setzen sich auch im Handel mit Ober- und Unterbekleidung die großen Ketten durch. Marktführer sind sie ja längst (siehe Grafik), jedoch beträgt der gemeinsame Marktanteil derzeit lediglich 33 Prozent. In Branchen wie Lebensmittel oder Möbel kontrollieren die Top-Unternehmen hier zu Lande fast den kompletten Markt.

Situation ändert sich rasch

Doch die Statistik spricht dafür, dass sich die Situation auch im Textilhandel rasch ändert. Legten die Umsätze der gesamten Branche nominell um 1,6 Prozent zu (von 2004 auf 2005), wuchsen H&M, C&A und Vögele um drei Prozent, die Diskonter – im Wesentlichen die Ketten Kik, Takko, Herz/NKD und Adessa – gar um fünf Prozent. Der Hartdiskont kommt mittlerweile auf neun Prozent Marktanteil sowie auf 16 Prozent der Gesamtverkaufsfläche, wobei die Tatsache noch gar nicht berücksichtigt ist, dass auch die genannten Marktführer Diskontlinien im Angebot haben. Für das Jahr 2006 rechnen die Experten mit einem nominellen Wachstum von zwei Prozent.

Der nicht filialisierte oder in Kooperationen oder in Franchise-Systemen organisierte Händler – sprich: die klassische, als Einzelunternehmen geführte Kleiderboutique – verliere am meisten. "Die Verschiebung passiert nicht mehr nur von einzelnen Händlern zu Filialisten," sagt Michael Oberweger von Regioplan, "sondern auch von schwachen Filialisten zu starken."

Expansionsmeister

Laut Regioplan bei der Filialzahl am meisten zugelegt hätten im Beobachtungszeitraum die Ketten Kik, Bonita, Triumph, Calzedonia sowie Orsay. Am Anfang einer Expansion befänden sich Max Mara, Kenny S sowie Boomerang. Neu in der Statistik, die Filialisten mit mehr als fünf Standorten erfasst, seien Cocoon, Northland, Pia Antonia, Oui und M Chic.

Die Befürchtungen der Kaufleute, branchenfremde Konkurrenz wie etwa der Sportfachhandel, der Versandhandel oder Online-Shops könnten dem Fachhandel Umsatzanteile wegnehmen, habe sich laut Regioplan nicht bewahrheitet. 76 Prozent des Gesamtumsatzes im Sortiment bleibe laut der Regioplan-Studie weiterhin dem Bekleidungsfachhandel vorbehalten, wobei den Löwenanteil davon mit 73 Prozent die filialisierten und organisierten Händler erwirtschaften. 14 Prozent des Umsatzes werden im Sportfachhandel gemacht, fünf Prozent im Versandhandel und zwei Prozent in Drogeriemärkten, der Rest von drei Prozent in sonstigen Vertriebsformen. (Leo Szemeliker, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2.8.2006)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Durchsetzen im heimischen Bekleidungshandel können sich laut Studie vor allem die größten Marktteilnehmer und Shops mit Spezialsortimenten, so genannten "Concept Stores".

  • Infografik: Strukturwandel im österreichischen Bekleidungshandel
    grafik: standard

    Infografik: Strukturwandel im österreichischen Bekleidungshandel

Share if you care.