Hohe Kunst im tiefen Graben

31. Juli 2006, 19:03
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Opulentes Ope(r)nair-Spektakel für alle Sinne: Verdis "La Traviata" in Steyr

La Traviata - da denkt man sofort an Anna Netrebko und Rolando Villazon anno Salzburg 2005. Höher kann die Latte nicht liegen, doch das hat Intendant Karl-Michael Ebner nicht davon abgehalten, die populäre Verdi-Oper heuer in den Mittelpunkt des Musikfestivals Steyr zu stellen.

Keine schlechte Wahl, wie sich zeigt, denn allein der pittoreske Rahmen der Aufführung - der Schlossgraben des barocken Schloss Lamberg - erzeugt eine ganz originäre, atmosphärische Grundstimmung. Die Inszenierung von Susanne Sommer ist von opulentem Pariser Fin-de-Siècle-Flair geprägt, das gleichermaßen im Bühnenbild (Georg Lindorfer) und in den Kostümen (Doris Homolka) zum Ausdruck kommt.

Spektakuläre Show-Einlagen wie ein Feuerwerk oder das wirkungsvolle Vorfahren eines Zweispänners auf dem erhöhten Arkadengang tragen zum leichtlebigen Eventcharakter des Abends bei.

Mit Akiko Nakajima als Kameliendame Violetta und Sebastian Holecek als Vater Germont hat Niels Muus, der bewährte musikalische Leiter des Festivals, stimmlich wie schauspielerisch souveräne Profis aus dem Volksopern-ensemble zu begleiten. Dagegen wirkt "Alfredo" Mark Janicello, der vielseitige amerikanische Tenor, zumindest am Premierenabend, etwas blass.

Umso mehr beeindruckt die Klangfülle der Chöre Jung Wien und des Musikfestivals Steyr - bis zu 200 Künstler finden sich heuer gleichzeitig auf der Bühne. Trotzdem gelingt es Regisseurin Sommer, den Blick der Zuschauer immer wieder auch auf liebevolle Details zu lenken, zum Beispiel auf einen in den Arkadenbögen "schwebenden" Pas de deux.

Kitsch? Vielleicht. Romantik? Sicher. Empfehlenswert? Absolut. (mth/ DER STANDARD, Printausgabe, 1.8.2006)

Weitere Vorstellungen:
4., 5., 11., 12. 8., je 20.30
Musikfestival Steyr
  • Akiko Nakajima als "Violetta Valery"
    foto: musikfestival steyr

    Akiko Nakajima als "Violetta Valery"

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