Sprachen spalten das Internet

8. August 2006, 11:08
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Asiatische und arabische Länder entwickeln eigene Domainstruktur

Schon seit langem ist bekannt, dass für eine Internationalisierung des Internet die Anwendung von internationalen Schriftzeichen unvermeidbar ist. Romanische Schriftzeichen werden nicht weltweit benutzt und ein großer Teil der Welt kann mit Englisch nicht viel anfangen. Deshalb ist in den vergangenen Jahren im internationalen Rahmen die Möglichkeit entwickelt worden, innerhalb des Domainnamensystems "fremde Schriftzeichen" zu unterstützen - die Internationalized Domain Names (IDN).

Eigene, nationale Struktur

In Erwartung der weltweiten Implementierung dieses Systems haben viele asiatische und arabische Länder ihre eigene, nationale Internetstruktur entwickelt. Und das kann weitragenden Folgen haben. Entscheiden Länder sich dazu, ihr nationales Domainnamensytem in das globale Domain-Name-System (DNS) zu integrieren, könnte dies das Ende der Einheit des World Wide Web bedeuten, warnt der Guardian.

Alptraumszenario

Auf welche Website man letztendlich gerät, hinge dann davon ab, wo auf der Welt man sich befindet und welchen Internetprovider man hat. Ein Beispiel zur Illustration: Via Amazon.com könnte man künftig nicht nur bei dem Online-Händler, sondern auch auf einer russischen Website über den längsten Fluss der Welt landen. Auch könnten Mails an Bekannte unbeabsichtigt zu einem Internetnutzer in Korea geschickt werden. Um dieses Alptraumszenario zu verhindern, hat das Multilingual Internet Names Consortium (MINC) auf einem Treffen der International Telecommunication Union (ITU) im Mai ein neues System präsentiert, das von der existierenden Internetstruktur Gebrauch macht, aber zugleich auch die internationalisierten chinesischen oder arabischen Zonen in die Routing-Tabellen aufnimmt. "Somit könnte der Brückenschlag zwischen den entstehenden DNS-Inseln hergestellt werden", erklärt Kaled Fattal, Präsident des MINC.

Rest der Welt

Aus amerikanischer bzw. europäischer Perspektive sei das IDN-System für den Rest der Welt ausreichend, um das Internet benutzen zu können. Doch die neuen Domains müssen noch immer das existierende Domainnamensystem anwenden, mit Suffixen wie .com und .net, die für einen großen Teil der Benutzer unverständlich sind. Weltweit existiert nur eine Organisation, die neue Top-Level-Domainnamen kreieren darf, die amerikanische Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN). Seit ihrer Gründung im Jahre 1998 hat die Organisation dem System jedoch nicht einen internationalisierten Domainnamen hinzugefügt. Mit der Drohung der asiatischen und arabischen Länder, eine eigene Struktur zu entwickeln, sei nun aber Eile geboten, so der Guardian.(pte)

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