"Ein starker Abgang"

12. Oktober 2006, 16:24
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Chefreformer Lang kritisiert Edelbacher: "Wollte sich einen starken Abgang verschaffen"

Wien – „Die heutige Polizei ist widerstandsfähiger gegen Korruption und politische Einflussnahme als sie vor der großen Reform war.“ Davon ist Franz Lang, Vizegeneraldirektor für die öffentliche Sicherheit und Chef des Reformteams, überzeugt. Dass der Wiener Kriminalist Max Edelbacher im gestrigen Standard-Interview das Gegenteil behauptet und den Zustand der Exekutive als „geschwächt“ bewertet hat, kann Lang nicht verstehen. „Vielleicht wollte er sich einen starken Abgang verschaffen“, mutmaßt er. Wie berichtet, tritt Edelbacher am 1. August in den Ruhestand.

Aufmüpfig

Für Aufregung im Innenministerium sorgt der frühere Vorstand des (aufgelösten) Wiener Sicherheitsbüros nicht das erste Mal. 2002 war er, nachdem er dem damaligen Minister Ernst Strasser „Mangagement by Chaos“ und „falsche Zentralisierung“ vorgeworfen hatte, kurzerhand strafversetzt worden. Die Karriere des SP-nahen Beamten kam unter der VP-Amtszeit in der Herrengasse nie wieder in Schwung.

Auch Edelbachers Kritik, dass die Reform zu einem Personalabbau von 33.000 auf 27.000 Mitarbeiter gebracht habe, will Lang so nicht stehen lassen. „Im früheren System der Kriminalpolizei gab es Kaskaden von Funktionären, ein Akt wanderte über 17 Schreibtische“, so Lang. Jetzt seien nur mehr zwei Stellen involviert, „dann geht der Akt zu Gericht“. Auch die seit 2005 sinkenden Zahlen in der Kriminalstatistik zeigten, dass „wir auf dem richtigen Dampfer sind“.

"Unkooperative Zwischenrufe"

Den von Edelbacher kritisierten Wiener Landespolizeikommandanten Roland Horngacher („fleißig, kann aber mit Macht nicht umgehen“) nimmt Lang in Schutz. „Er war einer derjenigen, die für die Reform konkrete Konzepte auf den Tisch gelegt haben. Andere haben sich nur von der Galerie aus mit unkooperativen Zwischenrufen gemeldet.“ Edelbacher bleibt dabei: „Polizeijuristen sind entmachtet, das Sagen haben Offiziere. Das ist ein militärisches Modell, aber nicht das, was man sich in einer Demokratie des 21. Jahrhunderts erwartet.“ (Michael Simoner, DER STANDARD Printausgabe, 28.07.2006)

  • Kriminalist Max Edelbacher hat andere Ansichten als Chefreformer Franz Lang (Bild)
    foto: standard/andy urban

    Kriminalist Max Edelbacher hat andere Ansichten als Chefreformer Franz Lang (Bild)

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