"Wir wagen uns nicht hinaus"

27. Juli 2006, 21:35
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Ein UN-Beobachter schilderte via Mail die Lage im Südlibanon

Am 18. Juli schrieb der kanadische Major Hess von Kruedener, der bei der United Nations Truce Observation Mission (UNTSO) im Südlibanon stationiert war, eine E-Mail über die Lage vor Ort an den kanadischen TV-Sender CTV.

Bei Kruedener dürfte es sich um den getöteten kanadischen UN-Beobachter handeln, denn er war jenem Posten zugeteilt, den am Dienstag eine israelische Fliegerbombe traf. Die israelische Armee und die Hisbollah haben eine taktische Pause bei ihren Kämpfen eingelegt, also nutzte er die Gelegenheit, um über die Situation im Südlibanon zu informieren, schreibt Kruedener am Beginn seiner Mail:

"Ich berichte Ihnen gerade von dem UN-Stützpunkt Khiam, der etwa zehn Kilometer von der israelischen, libanesischen und syrischen Grenze entfernt liegt. Ich bin Teil der Beobachtergruppe im Libanon und gehöre zum Team Sierra . . . Unsere Aufgabe im Rahmen der UNTSO ist es, über alle Verletzungen des Waffenstillstandes oder alle Aktionen, die ihn verletzten könnten, zu berichten und den Frieden und die Sicherheit entlang der israelisch-libanesischen Grenze aufrechtzuerhalten ... derzeit sind Angehörige mehrerer Nationalitäten mit mir hier am Stützpunkt. Ich diene mit einem Australier, einem Chinesen, einem Finnen, einem Österreicher und irischen Offizieren."

"Wagen uns nicht heraus"

"Team Sierra beobachtet derzeit die Kämpfe zwischen der Hisbollah und der israelischen Armee. Es scheint so, dass der größte Teil der Gefechte in unserer Nähe stattfindet. Am 16. Juli brach um 21.25 ein schweres Gefecht zwischen der Hisbollah und den Israelis bei einem Dorf namens Majidyye aus und dauerte über eine Stunde und vierzig Minuten. Wegen der Unvorhersehbarkeit der Aktionen der beiden Seiten, und der enormen Geschwindigkeit der Truppenbewegungen wagen wir uns nicht heraus, um unsere normalen Patrouillen durchzuführen."

Direkter und indirekter Beschuss

"Was ich Ihnen sagen kann, ist, dass wir täglich mehrere Zwischenfälle erleben, bei denen unsere Stellung unter direktem oder indirektem Beschuss durch Artillerie oder Kampfflugzeuge steht. Am nächsten kam uns dabei ein Artilleriegeschoß, das nur zwei Meter von unserer Position entfernt einschlug. Eine große Fliegerbombe ging 100 Meter von unserem Stützpunkt nieder. Das sind keine bewussten Angriffe, sondern die Folge einer notwendigen Taktik." (szi/DER STANDARD, Printausgabe, 27.7.2006)

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