US Einzelhandel leidet unter hohem Ölpreis

9. August 2006, 13:20
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Sollte der Ölpreis weiter steigen, wird das die Einzelhandelsumsätze im zweiten Halbjahr 2006 wohl belasten, erste Anzeichen liefert der Schulbeginn - Analyse von Monika Rosen

Trotz der derzeit hochsommerlichen Temperaturen beschäftigen sich amerikanische Meinungsforschungsinstitute und Analysten bereits mit der möglichen Entwicklung des US-Einzelhandels während der kälteren Jahreszeit. Zur Prognose werden hierbei die ersten Trends im Einzelhandel in der sog. "back to school season" herangezogen, also der Umsatz, den die Eltern vor Schulbeginn tätigen. Den Zahlen dieser für den Einzelhandel äußerst wichtigen Periode kommt insofern besondere Bedeutung zu, als sie als guter Indikator für das Weihnachtsgeschäft gelten. Die derzeitigen Schätzungen für das heurige Weihnachtsgeschäft in den USA gehen von einem vergleichsweise moderaten Wachstum zwischen 3 und 3,5 % (gegenüber Weihnachten 2005) aus. Diese Zahlen würden vor allem nach dem starken 1. Halbjahr und im Vergleich mit dem Weihnachtsgeschäft 2005, das einen Zuwachs von 6,4 % verbuchen konnte, etwas enttäuschen.

Auswirkungen der hohen Treibstoffpreise

Aus den aktuell veröffentlichten Zahlen zum Schulbeginn in den USA sind die ersten Auswirkungen der hohen Treibstoffpreise auf das Konsumverhalten ablesbar. Bisher wenig erfreuliche Berichte zeigen, dass die Amerikaner ihre Einkäufe zunehmend hinausschieben und insgesamt gesehen nicht bereit sind, deutlich mehr für den Schulstart der Sprösslinge auszugeben.

Im 1. Halbjahr 2006 konnten die hohen Treibstoffpreise den privaten Konsum noch keineswegs beeinträchtigen. Einzelhandelsketten des Luxussegments bis hin zu jenen der Diskontsparte verbuchten durch die Bank stark steigende Zuwachsraten. Die Verkaufszahlen im Einzelhandel konnten im 1. Quartal um 8,8 % gesteigert werden. Das 2. Quartal zeichnete sich durch einen anhaltend hohen Zuwachs in der Höhe von 8,4 % aus.

Keine Prolongation des ersten Halbjahres

Eine Prolongation des außerordentlich starken 1. Halbjahres erscheint jedoch unter den derzeitigen Vorzeichen wenig realistisch. Die vorsichtigen Schätzungen für die 2. Jahreshälfte sehen ein Wachstum von 5,5 % im dritten und 4,6 % im vierten Quartal. Der weiterhin redkordverdächtige Ölpreis zeigt sich dabei als größter Belastungsfaktor. So würden laut Umfrageberichten mehr als die Hälfte der Amerikaner aufgrund der steigenden Treibstoffpreise weniger Geld für Bekleidung, Elektrogeräte und Kosmetikprodukte ausgeben und darüber hinaus auch das Autofahren in erhöhtem Maße einschränken. Eine geringere Anzahl der traditionell mit dem Auto durchgeführten Einkaufsfahrten stellt ein wachsendes Risiko für die großen Einzelhandelsketten dar, da dadurch insbesondere ein Rückgang der Impulskäufe befürchtet wird. Weniger davon betroffen ist lediglich das Luxussegment, hier ist eine stärkere Korrelation mit der Entwicklung am Aktienmarkt feststellbar. Der Ölpreis dürfte hingegen für diese Einkommensschichten eine untergeordnete Rolle spielen.

Schulbeginngeschäft läuft

Die weitere Entwicklung des derzeit laufenden Schulbeginngeschäftes wird mehr Aufschluss über die belastenden Auswirkungen des Ölpreises geben und nicht zuletzt auch aufgrund ihrer Implikationen für das wichtige Weihnachtsgeschäft mit besonderer Spannung erwartet. Die Monate November und Dezember sind nicht nur für die Ergebnisse des letzten Quartals ausschlaggebend, sondern stellen für den Einzelhandel die bedeutendste Periode des ganzen Jahres dar. In einzelnen Sparten beläuft sich der Anteil dieser beiden Monate am Jahresumsatz auf mehr als 50 %.

Fazit

Sollte der Ölpreis weiter steigen, wird das die Einzelhandelsumsätze im 2. Halbjahr 2006 wohl belasten, wodurch eine Fortsetzung der Zuwachsraten der ersten beiden Quartale fraglich erscheint. Andererseits stellt sich angesichts der jüngsten Kursentwicklungen die Frage, ob viel von den erwarteten Rückgängen nicht schon in den Kursen enthalten ist. Wal Mart beispielsweise fiel in den letzten Tagen auf ein Fünf-Jahres-Tief. Insofern könnten Einzelhändler als klassische Frühzykliker von einem bevorstehenden Ende der Zinsstraffungskampagne in den USA besonders profitieren. Auch eine Entspannung beim Ölpreis (etwa in Folge einer milderen Hurrikansaison) könnte einen positiven Impuls liefern. Für den konservativ denkenden Anleger bekräftigen wir unsere neutrale Haltung zum Einzelhandelssektor in den USA. Wir halten aber gleichzeitig fest, dass schon einiges an negativen Nachrichten in den Kursen enthalten scheint. Insofern sollte gerade der etwas risikobereitere Anleger den Sektor eventuell im vierten Quartal noch genauer auf etwaige Einstiegschancen prüfen.

Die Autorin ist Chefanalystin bei BA-CA Asset Management

Alle Angaben trotz größter Sorgfalt ohne Gewähr. Die Informationen beruhen auf Quellen, die wir für zuverlässig erachten. Eine Garantie für deren Richtigkeit oder Vollständigkeit kann ebenso wenig übernommen werden wie für das Eintreten der Prognosen. Alle Meinungsaussagen geben lediglich die aktuelle Einschätzung der Autoren wieder, die sich ohne vorherige Ankündigung wieder ändern kann.
  • Bisher wenig erfreuliche Berichte zeigen, dass die Amerikaner ihre Einkäufe zunehmend hinausschieben und insgesamt gesehen nicht bereit sind, deutlich mehr für den Schulstart der Sprösslinge auszugeben.
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    Bisher wenig erfreuliche Berichte zeigen, dass die Amerikaner ihre Einkäufe zunehmend hinausschieben und insgesamt gesehen nicht bereit sind, deutlich mehr für den Schulstart der Sprösslinge auszugeben.

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