Kondome in Motels schützen effektiv vor Aids

16. Juni 2000, 13:13

Das zeigte ein Versuch in Lateinamerika

London - Zahlreiche Aids-Infektionen in Lateinamerika könnten mit Hilfe von diskret ausgelegten Kondomen in Motel-Zimmern verhindert werden. Das zeigte ein Versuch mit 6.500 Paaren in Managua, der Hauptstadt Nicaraguas, den das britische Medizinjournal "The Lancet" (Bd. 355, S. 2095) vom Samstag vorstellt.

Viele Motels in Südamerika vermieten Zimmer für kommerziellen oder "nicht kommerziellen" Sex. Im Rahmen der Studie verglich ein britisch-nicaraguanisches ForscherInnenteam um Matthias Egger von der Universität Bristol den Erfolg verschiedener Methoden, Kondome an die Gäste zu verteilen: Sie gaben sie den Paaren direkt, verteilten sie auf Anfrage oder platzierten sie diskret in den Zimmern. Außerdem lag in einem Teil der Räume gesundheitliches Informationsmaterial.

Kondome im Zimmer

Am ehesten wurden die Präservative benutzt, wenn die Paare sie einfach im Zimmer vorfanden - und zwar ohne zusätzliche Infobroschüren. Das galt jedenfalls für bezahlten Sex, bei dem in 60 Prozent der Fälle ein Kondom benutzt wurde. Andere Liebespaare bedienten sich in nur 20 von hundert Fällen des angebotenen Gummis.

Einbezogen in die Untersuchung waren 19 Motels, die innerhalb von 24 Tagen rund 6.500 Paare beherbergt hatten. Egger empfiehlt: "Eine Politik, Kondome diskret in Motel-Zimmern anzubieten, sollte in Zusammenarbeit von Motel-Besitzern, Gesundheitsbehörden und nicht staatlichen Organisationen aufgebaut werden."

Da Motels von der städtischen Bevölkerung Lateinamerikas viel genutzt würden, wäre dies wahrscheinlich eine effektive Methode zur HIV-Prävention. Lancet zufolge sind in Lateinamerika schätzungsweise 1,7 Millionen Menschen mit dem Aids-Virus infiziert. (APA/dpa)

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