Fantasy mit modernen Einsprengseln

25. Juli 2006, 18:57
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Tankred Dorst gegen zu viele aktuelle Bezüge: "Die Götter und Halbgötter sollten fremd, fern und mächtig bleiben"

Bayreuth - Noch vor der ersten Premiere seiner neuen Bayreuther "Ring"-Inszenierung am Mittwoch hat der deutsche Dramatiker Tankred Dorst Einblicke in seine Arbeit gegeben. "Das Weltmärchen sollte ohne groben Verweis auf moderne Aktualitäten erzählt werden", schreibt Dorst (80) in seinem Buch "Die Fußspur der Götter - Auf der Suche nach Wagners Ring", das parallel zur Aufführung bei den Richard-Wagner-Festspielen erscheint. "Die Götter und Halbgötter sollten fremd, fern und mächtig bleiben." Dorsts mit Spannung erwartete "Ring"-Inszenierung beginnt am Mittwoch mit der Premiere von "Rheingold".

Bis zum 31. Juli schließen sich die Opern "Walküre", "Siegfried" und "Götterdämmerung" an. Zentrales Thema der "Ring"-Tetralogie ist für Dorst der Tod. "Der Tod ist in diesem Werk allgegenwärtig, ich spüre ihn immer wieder auf", schreibt er in dem Buch, das mit zahlreichen Abbildungen die Annäherung des Regisseurs an das gewaltigste Werk der Operngeschichte dokumentiert.

Spuren der Zivilisation

Dorst will das Geschehen, wie von Wagner vorgesehen, in die Natur verlegen - "die Natur ist aber die unserer heutigen Zeit, nicht mehr unberührt, manchmal verwüstet oder doch gezeichnet von den Spuren der modernen Zivilisation". Als Beispiele nennt Dorst "ein Autowrack auf dem Grund des Rheins" oder "Überreste eines Open-Air-Spektakels auf der verlassenen Waldbühne".

"Das Wüste, Wilde ist noch immer Teil unserer Gegenwart und lebt in den Köpfen wider alle Vernunft", schreibt Dorst weiter. "So kann man wohl denken, dass die alten, fremden Götter noch immer da sind, sich hier und dort einnisten in unseren heutigen Städten, an den Rändern, unter den Brücken von Autobahnen, in leer stehenden Abbruchhäusern, in Winkeln und Mauern unserer modernen Zivilisation." (APA/dpa)

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