"Sagen, was ist - verändert die Welt"

25. Juli 2006, 19:20
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Das Projekt "hellwach" als kunstpolitische Intervention im öffentlichen Raum befasst sich mit Gewalt an Frauen

"Sagen, was ist - verändert die Welt". Dieses Zitat von Hannah Arendt eignet sich großartig für das Projekt "hellwach", das eine kunstpolitische Intervention im öffentlichen Raum zum Thema "Gewalt an Frauen" darstellt. "hellwach" verortet sich an der Schnittstelle zwischen Kunst, Sozialem und Politik. Trotz verschiedenster Kampagnen seitens der feministischen Frauenbewegung und der Politik wird das Thema weiterhin in die Privatheit abgedrängt, betonen die Initiatorinnen Carla Knapp und Angela Zwettler. Deshalb nützt "hellwach" den öffentlichen Raum als Ausstellungs-, Aktions- und Präsentations-Ort, um das Thema Gewalt an Frauen zu transportieren.

Darstellung mittels Leuchttafel

Mit den Mitteln der Werbung - einer 3 mal 1,5 Meter großen Leuchtreklame - bedienen sich die Künstlerinnen der urbanen "Logo-Kultur" und irritieren das Zufallspublikum des städtischen und ländlichen Alltags mit der Inschrift "hellwach bei Gewalt an Frauen - observe you - we observe you - we observe". Kunst und Lebensrealität vermischen sich, zufällige Konfrontationen und Kommunikations-Prozesse entstehen.

Desweiteren werden Glückskekse verteilt. Darin befinden sich - anstelle der gewohnten Glücksbotschaften - Statements zu Gewalt an Frauen. "Durch die Kekse packen (backen) wir das Thema Gewalt an Frauen in eine witzige, paradoxe, irritative Form", erklären Knapp und Zwettler: "Im Sinne des chinesischen Widerstandes des 13. und 14. Jahrhunderts, als mit Hilfe von Geheimbotschaften in Glückskeksen die Mongolen aus China vertrieben wurden, nutzen auch wir die 'Kekse mit Inhalt', um Botschaften gegen Männergewalt ins Tiroler Ober- und Unterland zu schmuggeln. Durch die Einbeziehung verschiedener Verteilersysteme wie Fraueninitiativen, Kulturzentren, soziale Einrichtungen und Lebensmittelketten wie MPREIS werden die Glückskekse in ganz Tirol präsent sein".

Projektabfolge

Zum Auftakt wurde die Brüstung des Tiroler Landesmuseums in Innsbruck ausgesucht, wo die Tafel seit 12. Juli montiert ist und sechs Wochen lang vom Balkon des Museums aus das Innsbrucker Stadtbild verändert. Damit wird das Thema "Gewalt an Frauen" Tag und Nacht weithin sichtbar in den öffentlichen Raum getragen und die brisante aktuelle Diskussion rund um den Fortbestand des autonomen Tiroler Frauenhauses weiter in der Öffentlichkeit gehalten.

Danach wird die Tafel in verschiedenen Tiroler Städten und Gemeinden sowie bei Kultur- und Sozialeinrichtungen für einige Zeit an einem zentralen Platz angebracht sein. Durch die Präsenz der Leuchtinstallation ist das Thema vor Ort und diskutierbar. Dabei ist der Prozess der Auseinandersetzung gerade mit konservativen Städten und Gemeinden spannend.

Weitere Informationen finden Sie unter www.hellwach.info. (red)

  • Artikelbild
    foto: hellwach
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