Jung, männlich, unfruchtbar

10. Juli 2007, 15:15
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Rund 300.000 Paare warten in Österreich vergeblich auf ein Kind. Immer häufiger liegen die Ursachen beim Mann Mikronährstoffe versprechen jetzt Verbesserung

Vor nicht allzu langer Zeit in einer Kinderwunschklinik bei Wels: Zwanzig Bundesheer-Soldaten lassen sich getreu dem Motto "Diene deinem Vaterland"zur Samenspende abkommandieren, um verzweifelten Paaren zum ersehnten Nachwuchs zu verhelfen. Das Resultat der freiwilligen Dedikation ist allerdings ernüchternd: Nur jeder fünfte Gefreite kommt als Spender infrage, alle anderen werden wegen minderer Spermienqualität abgelehnt.

Beeinträchtigte Spermienqualität bei 40 Prozent

Leider keineswegs Ausreißer in der Statistik, sondern ernüchternde Realität, wie Eugen Plas, Urologe am Krankenhaus Wien-Hietzing, weiß: "Im Moment geht man davon aus, dass gut 40 Prozent der männlichen Weltbevölkerung eine beeinträchtigte Spermienqualität aufweist."Aber auch quantitativ kann das starke Geschlecht nur noch selten mit früheren Maßstäben mithalten: Ein schottischer Wissenschafter untersuchte über Jahre 16.000 Spermaproben. Fazit: Die durchschnittliche Anzahl der Samenzellen ist seit 1989 um 30 Prozent gesunken. Die meisten Männer wissen aber nichts davon. Erst wenn die aktive Familienplanung nicht klappt, beginnt die Ursachenforschung, zuerst bei der Frau und erst dann beim Mann.

Mögliche Samenkiller

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Faktoren wie beruflicher Stress, die Einnahme bestimmter Medikamente, Kontakt mit Chemikalien, Drogenmissbrauch oder Zigarettenkonsum die Zeugungsfähigkeit stark negativ beeinflussen können. So reduziert Nikotin beispielsweise die Durchblutung der Hoden und somit die Samenreifung. Weitere Gefahrenquellen für die Samenzellen verstecken sich im Körper selbst: eine zurückliegende Hodenentzündung bei Mumps, sexuell übertragbare Infektionen durch Bakterien, Hodenhochstand, Krampfadern des Hodensacks oder selten ein genetischer Defekt.

Schock beim Arzt

Für viele Männer ist es ein Schock, vom Arzt mit einem schlechten Befund konfrontiert zu werden, sagt Plas: "Obwohl mangelhafte Spermienqualität in keinem Zusammenhang mit Impotenz oder den Qualitäten als Liebhaber stehen, fühlen sich viele Männer tief in ihrem Selbstwert getroffen."Dabei ist männliche Unfruchtbarkeit weder Stig-ma noch Einzelschicksal: "Da ist noch einiges an Informa-tionsarbeit erforderlich, um Schwellenängste abzubauen und Klarheit zu schaffen."

Je nach Befund der urologischen Untersuchung bieten sich verschiedene Möglichkeiten an, um die Samenzellen auf Vordermann zu bringen.

Antriebshilfe

Das Spektrum der Interventionen beginnt bei der Nikotinabstinenz oder genereller Veränderung der Lebensgewohnheiten, reicht über die Verabreichung von Nahrungsergänzungsmitteln über Behandlungen mit Antibiotika, Enzymen oder Hormonen bis hin zu Operationen bei Verschluss der Samenleiter oder Krampfadern des Hodens. Als letzter Strohhalm fungiert die intrazytoplasmatische Spermien-injektion (ICSI), wobei theoretisch ein einziges gesundes Spermium ausreicht, um eine Eizelle zu befruchten.

Mikronährstoff Kombination

Neue Hoffnungen setzen Fruchtbarkeitsexperten nun auf eine ausgeklügelte Mikronährstoff-Kombination, vor Kurzem unter dem Markennamen Profertil® vorgestellt wurde und über Apotheken erhältlich ist. "Jede Substanz, die in diesem Produkt enthalten ist, übt einen durch klinische Studien nachgewiesenen positiven Effekt auf die männliche Zeugungskraft aus", so Brigitte Annerl, Forschungsleiterin bei Creamed. "L-Carnitin und L-Arginin sind Substanzen zur Verbesserung der Spermienqualität und -anzahl. Coenzym Q 10 wirkt sich vorteilhaft auf Befruchtungsrate und Spermienbeweglichkeit aus. Zink erhöht den für die Samenreifung wichtigen Testosteronspiegel und die Zahl der schnell beweglichen Spermien."

Pilotstudie am Wiener AKH

Die neue Fruchtbarkeitspille für den Mann wurde in einer Pilotstudie am Wiener AKH mit veritablem Erfolg getestet: Unter 30 Männern mit pathologischen Spermiogrammen waren nach dreimonatiger Anwendung bereits vier Schwangerschaften zu verzeichnen. Dazu konnten bei allen Parametern Verbesserungen der Spermienqualität nachgewiesen werden. Die Wirksamkeit des Nahrungsergänzungsmittels soll nun ab Herbst 2006 in einer groß angelegten wissenschaftlichen Untersuchung untermauert werden. (Andrea Fallent/MEDSTANDARD/24.07.2006)

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    Laut WHO sollen pro Milliliter Ejakulat mehr als zwanzig Millionen Spermien vorhanden sein.

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