Israel verstimmt London mit Gedenken an King-David-Anschlag von 1946

24. Juli 2006, 16:53
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Gedenktafel für Terroranschlag mit 91 Toten gibt indirekt Briten Schuld an hoher Opferzahl

Jerusalem - Mitten in seiner Libanon-Offensive hat Israel mit Gedenkaktionen zum 60. Jahrestag des größten Anschlags auf die damalige britische Besatzung für Verstimmungen gesorgt. Am 22. Juli 1946 hatte die zionistische Gruppe Irgun im King-David-Hotel, wo Vertreter britischer Behörden residierten, mehrere Bomben gezündet und dabei 91 Menschen getötet, zumeist Zivilisten. Ein Befreiungsschlag für Israels Unabhängigkeit von der Besatzungsmacht, heißt es in Israel; Großbritannien spricht dagegen von einem Terrorakt.

In dieser Woche wurde des Attentats in Israel unter anderem mit einer Konferenz und einer Führung ehemaliger Irgun-Mitglieder durch das heutige Luxushotel gedacht. Die britische Botschaft in Jerusalem protestierte. "Wir halten es nicht für richtig, einen Terrorakt zu feiern", sagt Botschaftssprecherin Karen Kaufman.

Proteste der Botschaft

Für besonderen Unmut sorgte ein Plakette, die am King-David-Hotel angebracht werden soll. Im ursprünglichen Text hieß es, die Opferzahl sei deshalb so hoch gewesen, weil die Briten eine Bombenwarnung ignoriert hätten. Nach Protesten der Botschaft wird nur noch darauf verwiesen, dass die Attentäter das Hotel gewarnt hätten.

"Kein Terror"

Die ehemalige Irgun-Aktivistin Sarah Agassi, die zu den Tätern gehörte, sagt, der Anschlag sei "kein Terror" gewesen. "Wir haben für unsere Unabhängigkeit gekämpft. Wir wollten, dass die Briten verschwinden." Mit heutigen Extremistenorganisationen wie der radikal-islamischen Hamas, die die Palästinenser-Regierung stellt, oder der pro-iranischen Hisbollah, gegen die Israel im Libanon militärisch vorgeht, habe dies nichts zu tun. "Die Palästinenser können in andere Länder gehen. Dies ist unser Land. Das kann man in der Bibel nachlesen."

Israels Ex-Regierungschef Benjamin Netanjahu sagte, die jüdischen Attentäter seien Helden gewesen. Hamas und Hisbollah seien hingegen unmoralisch, weil sie niemals vor ihren Anschlägen warnen würden. (APA)

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