Computer der Superlative - "HLRB II"

30. Juli 2006, 19:17
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Neuer Höchstleistungsrechner in Garching in Betrieb - 26 Billionen Rechenoperationen pro Sekunde für 38 Millionen Euro

Die Zahl übersteigt die menschliche Vorstellungskraft: Mehr als 26 Billionen Rechenoperationen pro Sekunde kann der neue Höchstleistungs-Computer in Garching ausführen, der am Freitag offiziell in Betrieb genommen wurde. "HLRB II", so die Bezeichnung, ist die neue Attraktion am Forschungsstandort nördlich von München - und der momentan zweitschnellste Rechner in Deutschland.

Ausbaufähig

Nur der Super-Computer im Forschungszentrum Jülich hat mit etwa 37 Billionen Rechenschritten pro Sekunde die Nase noch vorne. 2007 soll die Leistung des Garchinger Rechners aber noch einmal verdoppelt werden.

Die Höchstleistung entspricht der von etwa 3.000 modernen Computern, die normalerweise zu Hause oder im Büro benutzt werden. Die gigantische Leistungsfähigkeit des Rechners lässt die Wissenschafter aber eher kalt. "Das ist so, also ob sie alle Autos der Welt nur nach einer Messgröße beurteilen würden: Der PS-Zahl", sagt der Leiter des Leibniz-Rechenzentrums, Heinz-Gerd Hegering. Diese theoretische Größe werde aber praktisch nie erreicht.

Geschwindigkeit ist nicht alles

Viel wichtiger sind für die Forscher etwa die Speicherkapazitäten, die zu wissenschaftlichen Simulationen genutzt werden können. Derzeit beträgt die Hauptspeichergröße 17 Terabyte - das sind 17.000 Gigabytes. Zum Vergleich: Moderne Computer zu Hause oder im Büro haben eine Hauptspeichergröße von etwa ein bis zwei Gigabytes.

Fünf Stockwerke

Untergebracht ist der rund 38 Millionen Euro teure Super-Rechner in einem würfelförmigen Trakt mit einer Kantenlänge von 36 Metern im neuen Leibniz-Rechenzentrum. In das fünfstöckige Gebäude führt nur ein einziger Eingang über eine videoüberwachte Brücke. Auch der Kontrollraum mit fast 20 Monitoren ist in einem Nebengebäude. "Im Normalfall ist in dem Rechner niemand drin", erläutert Matthias Brehm, Leiter der Hochleistungsrechner-Gruppe im Rechenzentrum. Das ist aber auch gar nicht nötig, denn Wissenschafter können über Hochgeschwindigkeits-Datennetze von ganz Deutschland aus auf den Rechner zugreifen und mit ihm arbeiten.

Simulation

Zu Fortschritten soll "HLRB II" in den kommenden sechs Jahren vor allem den Naturwissenschaften verhelfen. "Bei uns auf Platz 1 ist die Strömungsdynamik", erklärt Hegering. Aber auch Astrophysik oder Materialforschung sind auf riesige Rechnerkapazitäten angewiesen. Beispielsweise kann der Höchstleistungsrechner auch zur Erforschung von Tsunami-Wellen beitragen.

Allerdings darf nicht jeder sofort auf den Super-Rechner "drauf", wie die Fachleute sagen. Ein Gremium prüft die Forschungsanträge und erteilt dann die Genehmigung.

Kabelsalat

Der Rechner selbst sieht eher unspektakulär aus: Auf einer Fläche von etwa 560 Kubikmetern stehen große graue Kästen Reihe an Reihe. Von der Decke hängen riesige Lüftungssysteme, die ein ständiges Rauschen verursachen. Zur Kühlung werden bis zu 400.000 Kubikmeter Luft pro Stunde benötigt. Mehr als 21 Kilometer Datenleitungen wurden in dem Gebäude verlegt, das auch als Rechenzentrum für die beiden Münchner Universitäten und die Bayerische Akademie der Wissenschaften dient.

Stromfresser

Der Stromverbrauch ist dementsprechend enorm: Ein Megawatt - das entspricht etwa dem Bedarf von 10.000 bis 15.000 Glühbirnen, wie Brehm vorrechnet. Für die kommenden sechs Jahre, so lange soll der Rechner laufen, sind 15 Millionen Euro Betriebskosten eingeplant. (APA/DPA)

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    Nur der Rechenr in Jülich ist noch schneller

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