Nachlese: Schwere Kämpfe am Boden im Südlibanon

22. Juli 2006, 20:48
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Israel hat die Bevölkerung im Südlibanon aufgefordert, ihre Dörfer zu verlassen - Gleichzeitig weitete die Armee ihre Bodenoperationen im Südlibanon aus

Israel hat die Bevölkerung im Südlibanon aufgefordert, ihre Dörfer zu verlassen. Gleichzeitig weitete die Armee ihre Bodenoperationen im Südlibanon aus, tausende Soldaten sollen inzwischen im Einsatz sein. Die Hisbollah feuerte weiter Raketen auf israelische Städte.

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Tausende israelische Soldaten sind inzwischen auf der libanesischen Seite der Grenze im Einsatz, berichteten israelische Medien am Freitag. Zum Teil wurden sie in heftige Gefechte mit Hisbollah-Milizen verwickelt, wobei die Israelis überrascht sein dürften, wie stark und ausgedehnt die Stellungen der Hisbollah sind.

Immer öfter wird nun die Frage gestellt, ob es möglich sein wird, die Schiitenmiliz zurückzudrängen, ehe der internationale Druck einen Waffenstillstand erzwingt. Offiziell sucht Israel aber noch immer eine militärische Entscheidung: "Das ist ein schwieriger Krieg, es gibt keinen Zweifel, dass wir ihn gewinnen werden", sagte Vizepremier Shimon Peres im israelischen Radio.

Durch abgeworfene Flugblätter riefen die Israelis gestern die Bewohner des Südlibanon auf, sich nördlich des Litani-Flusses in Sicherheit zu bringen, was als Signal dafür gewertet wurde, dass Israel eine große Bodenoffensive plant. Die Armee berief auch weitere Reservebataillons ein. Auch die Luftangriffe der Israelis gingen am Freitag weiter. In der Nacht flog die Luftwaffe rund 40 Einsätze und bombardierte mutmaßliche Kommandostellungen der Hisbollah sowie Landstraßen und Brücken. Am Nachmittag wurden auch Angriffe auf Tyrus und Baalbek gemeldet, wobei es Tote gegeben haben soll.

Bereits am Donnerstag war es beim Dorf Marun-Aras zu einem stundenlangen Gefecht gekommen, bei dem vier israelische Soldaten und mehrere Hisbollah-Kämpfer getötet wurden. In der Nacht auf Freitag wurde ein israelischer Soldat getötet, als zwei Apache-Hubschrauber zusammenstießen und abstürzten.

Das Rätsel, ob Hassan Nasrallah noch am Leben war, nachdem am Donnerstag ein mutmaßlicher unterirdischer Bunker am Südrand von Beirut massiv bombardiert worden war, löste sich zwölf Stunden später auf, als der Fernsehsender Al-Jazeera ein Interview mit dem Hisbollah-Chef ausstrahlte. Es sei nicht wahr, sagte er, dass die Hälfte der militärischen Kapazität seiner Organisation vernichtet sei. "Es gibt noch Überraschungen, die wir für die nächste Phase aufheben".

Auf die Hafenstadt Haifa gingen unterdessen drei Raketen nieder. Ein Wohnhaus wurde getroffen, 15 Menschen verletzt. Insgesamt schlugen in Nordisrael rund 30 Katjuschas ein, ohne größeren Schaden anzurichten. In den ersten Tagen der Krise, hatte die Hisbollah täglich mehr als 100 Raketen abgefeuert. (Ben Segenreich aus Tel Aviv/DER STANDARD, Printausgabe, 22./23. Juli 2006)

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