Von wegen Goldesel: Bakterien stellen Nuggets her

25. Juli 2006, 17:17
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Neu entdeckte Mikroben sind in der Lage, winzige Spuren von Gold auszuscheiden - zudem können sie Schwermetalle aus Flüssigkeiten entfernen

Gold zu erschaffen wie der sagenhafte König Midas sind die in Australien neu entdeckten Bakterien zwar nicht imstande. Die Mikroben sind jedoch in der Lage, winzige Spuren des Edelmetalls zu handfesten Nuggets zu formen.


Sydney - Der goldene Ring am Finger oder die Goldkette um den Hals könnten nichts weiter als ein Abfallprodukt von Mikroben sein - genauer gesagt: deren Ausscheidungen. Diesen Schluss lässt zumindest eine neue Forschungsarbeit zu, die in den Fachmagazinen "Science" und "Nature" publiziert wurde.

Goldnuggets könnten demnach ihre Entstehung besonderen Bakterien verdanken. Diese nehmen das Edelmetall aus der Erde auf und lagern es Schicht um Schicht auf den winzigen Goldkörnchen, also den Nuggets ab. Darauf deuten die Ergebnisse australischer Wissenschafter hin, die auf Gold ausgedehnte Bakterienkolonien entdeckt und analysiert haben. Die beobachteten Mikroben sind auch bekannt dafür, dass sie in Flüssigkeiten gelöste Schwermetalle aufnehmen können.

Wissenschafter um Frank Reith, Geomikrobiologe von der Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation im australischen Adelaide, sammelten für ihre Arbeit kleine Goldkörnchen aus dem Boden zweier 3400 Kilometer voneinander entfernter australischer Goldminen. Auf den beinahe aus purem Gold bestehenden Körnern fanden die Forscher Biofilme. Diese Überzüge stellten sich nach näherer Analyse als Mixtur aus bakteriellem Schleim und lebendigen Bakterien heraus. 30 verschiedene Arten konnten Reith und seine Kollegen mithilfe von Gentests zählen. Die meisten davon waren auf Gold spezialisiert, im umliegenden Erdreich kamen die Mikroben nicht vor.

Die Finger im Spiel

Besonders häufig stießen die Forscher auf ein Bakterium, das der bereits bekannten Mikrobe Ralstonia metallidurans ähnelt. Diese Mikroorganismen wurden schon erprobt, um Schwermetalle wie etwa Quecksilber aus Flüssigkeiten zu entfernen. Sie können jedoch auch Gold aus dem Boden aufnehmen und an einer Oberfläche ablagern, wie die Wissenschafter anschließend in Labortests feststellten.

Die Forscher vermuten nun, dass bei der Ausbildung der Goldnuggets, die an vielen Orten auf der Welt gefunden wurden, Bakterien eine maßgebliche Rolle spielen. Sie könnten dazu beitragen, dass sich aus winzigen Partikeln des Edelmetalls größere Goldkörnchen heranbilden - Gold erschaffen wie der sagenhafte König Midas können sie nicht.

"Ich behaupte zwar nicht, dass alle Körner auf Mikro- organismen zurückgehen", erklärt Reith, doch einige Organismen stellen definitiv Nuggets her. Nun sollen weitere Experimente zeigen, wie die Bakterien das Gold in ihren Stoffwechsel einbauen und an Oberflächen ablagern. (red/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.7. 2006)

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