Kontroverse um Palmer-Film

20. Juli 2007, 16:43
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Festspielpräsidentin: Im Film werde mit Bildern gelogen - Regisseur kontert: "Rabl-Stadler hat zensuriert"

Salzburg - Der dreistündige Film des englischen Filmregisseurs Tony Palmer über die Salzburger Festspiele stößt beim Festival auf wenig Gegenliebe. "Es ist ein falsch verstandener Schulfunkstreifen", sagte Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler im ORF-"Treffpunkt Kultur" am Montag. Der Film habe viele Ungenauigkeiten und Schlampigkeiten, erklärte der Kulturkritiker Karl Löbl. "Rabl-Stadler und Löbl haben nicht verstanden, worum es in dem Film geht", konterte Palmer.

Als "ehrenrührig und aus der Luft gegriffen" bezeichnete die Präsidentin der Salzburger Festspiele, Helga Rabl-Stadler, am Dienstag eine Formulierung in einem Beitrag des ORF-"Treffpunkt Kultur". Dort wurde gesagt, dass Rabl-Stadler den Film u. a. ablehne, weil dieser "der Nazi-Zeit zu breiten Raum einräume". Dies wies Rabl-Stadler zurück.

Gabriele Flossmann, Sendungsverantwortliche von "Treffpunkt Kultur", betonte gegenüber der APA, dass es "in keiner Weise die Intention war, ihr zu unterstellen, dass der Nazizeit zu breiter Raum gewährt würde". Man habe Rabl-Stadler mit dem Beitrag ein "Forum geben wollen, um die berechtigte sachliche Kritik am Film" zu üben, so Flossmann.

Rabls-Stadler präzisiert

"Selbstverständlich muss eine Geschichte der Festspiele auch die düsteren Zeiten kommentieren", so die Festspiel-Präsidentin. "Dazu gehört natürlich die nationalsozialistische Herrschaft in Salzburg. Aber es darf auch hier nicht mit Bildern gelogen werden. Wenn Furtwängler bei einem Konzert mit Goebbels gezeigt wird, das in Wahrheit in Berlin stattfand, dann ist das einfach unredlich."

Der Streifen sei insgesamt eine "verpasste Chance einer Festspielgeschichte im zeitgenössischen Medium DVD", bestärkte Rabl-Stadler ihre Kritik am Film. Der Film Palmers weise eine "Vielzahl von Fehlern, Ungenauigkeiten und chronologische Unrichtigkeiten" auf und "verwirre den Interessierten mehr als ihn zu informieren", so Rabl-Stadler. "Ich selbst habe bei Fehler Nr. 21 zu zählen aufgehört." U. a. trete in einer "Don Giovanni"-Szene aus dem Jahr 1937 plötzlich Sir Georg Solti auf, der erst 1951 erstmals in Salzburg dirigierte; Peter Sellars beschreibe seine Mozart-Inszenierungen, obwohl er in Salzburg nie Mozart inszeniert hat.

"Unverwendbar"

"Für die Festspiele ist dieser Film durch seine Fehler und durch seine Überlänge unverwendbar. Weil es offensichtlich schwer ist, gute Argumente für eine schlechte Sache zu finden, greift Tony Palmer nun ganz tief in die Vernaderungskiste. Er versucht vom Pfusch durch einen Skandal abzulenken", so Rabl-Stadler.

Der gute Ruf Palmers habe Rabl-Stadler bewogen, der Produktion zuzusagen. Sie habe ihm das Festspielarchiv "rückhaltlos" geöffnet, den ORF und zahlreiche Interviewpartner gebeten, Palmer hilfreich zur Seite zu stehen und ihm "sogar trotz fehlendem Probeexemplar und nur nach Vorlage der Interviewliste erlaubt, das Festspiellogo auf die DVD zu setzen." Als sie dann den Film "endlich zu Gesicht bekam, war es zu spät."

Palmer wundert sich über "sonderbare Dinge"

Einen einstündigen Film, wie ihn die Festspielpräsidentin gewollt habe, zu machen, sei "für so eine lange Geschichte unmöglich", so Palmer. Rabl-Stadler sei erzürnt, dass es um mehr gehe als nur um Dokumente. Es sei notwendig den Zusammenhang zwischen Politik und Kunst aufzuzeigen. Überhaupt hätte er den Film nicht drehen können, wenn es den ORF nicht gegeben hätte. Wenn er sich nur auf das Material der Festspiele hätte stützen können, dann "wäre ich mit leeren Händen dagestanden ".

Rabl-Stadler sage überhaupt sonderbare Dinge, so Palmer. Wenn die Festspielpräsidentin ihm nun beispielsweise vorwerfe, das Logo der Festspiele zu verwenden, dann könne er dazu nur sagen, "dass sie mir schriftlich erlaubt hat, das Logo zu verwenden."

"Rabl-Stadler hat zensuriert"

Ursprünglich hätte der Film am 25. Juli - einen Tag nach der Festspiel-Eröffnung - gezeigt werden sollen, "die Festspielpräsidentin hat ihn dann abgeblasen", so der Filmregisseur. "Rabl-Stadler hat zensuriert. 23 Länder wollen meinen Film zeigen", betonte Palmer. Außerdem gebe es den Film auch als DVD. Das dreistündige Werk wird nun am 26. Juli um 19.00 Uhr im Salzburger "Das Kino" in Anwesenheit Palmers gezeigt. (APA)

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