Historische Bande zwischen Österreich und dem Libanon

18. Juli 2006, 11:07
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Habsburger verstanden sich als Schutzmacht der Christen in der Levante

Wien - Die traditionellen Bande zwischen Österreich und dem Libanon reichen weit zurück. Neben den bedeutendsten österreichischen Orient-Reisenden des 19. Jahrhunderts, Joseph Freiherr von Hammer-Purgstall und Anton Graf Prokesch von Osten, haben zahlreiche verdiente Diplomaten, Konsuln und Offiziere der Habsburgermonarchie, wie auch Geistliche, Ärzte und Archäologen wichtige Spuren hinterlassen, denen der ehemalige österreichische Botschafter Arthur Breycha-Vauthier in seinem 1972 erschienenen Buch "Österreich in der Levante" nachgegangen ist.

Der erste Österreicher, von dem ein Erlebnisbericht erhalten geblieben ist, war der im Rattenberger Bergbau zu einem beträchtlichen Vermögen gekommene Martin Ritter von Baumgarten, der in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts auf der Pilgerreise ins Heilige Land nach Tripoli gelangte. 1552 kam im Auftrag des Patriarchen von Antiochien ein Priester - nach erfolglosen Versuchen in Rom - bis Wien, um ein Evangelium in arabischen Lettern in Druck zu geben, wofür ihm Kaiser Ferdinand I. die Mittel bewilligte. Je 300 Exemplare schenkte der Kaiser den Patriarchen der Maroniten und der Syrisch-Orthodoxen.

Mönch Sarkis kam an den Hof von Kaiserin Maria Theresia

Ein österreichisches Schiff brachte 1760 den Mönch Sarkis aus dem Kloster Dlepta nach Triest, von wo es ihm gelang, Wien zu erreichen. Als eines der 16 Kinder von Kaiserin Maria Theresia erkrankte, erhielt der Ordensmann aus dem Vorderen Orient Zutritt zum Hof, nachdem er erklärte, dass seine Klosterpatronin Saiydet el-Hakleh selbst Muslime heile. Der kleinen Erzherzogin ging es plötzlich besser, die Kaiserin war begeistert und beschenkte Sarkis mit einer Glocke, wertvollen Messgewändern und Altargerät, bevor er in seine Heimat zurückreiste.

1718 hatte der Friedensvertrag von Passarowitz die Errichtung von österreichischen Konsulaten im Osmanischen Reich ermöglicht. Zu den ältesten gehörten jene in Aleppo, Jaffa, Latakia, sowie in Tripoli und Saida (Sidon). 1808 wurde der aus der Toskana stammende Arzt Pietro Laurella Konsul in Beirut, wo er das Impfen praktizierte und wegen seiner Hilfsbereitschaft und Wohltätigkeit großes Ansehen genoss. Auf seine Initiative geht der Lateinische Friedhof zurück. Die Familie Catafago, die zu den reichsten christlichen Handelsdynastien gehörte, besaß über Generationen die Funktion des österreichischen Honorarkonsuls in Sidon. 1847 ließ Staatskanzler Metternich in Beirut ein Generalkonsulat eröffnen.

1840 war General Omer Pascha, genannt "Nemsaoui" (der Österreicher), osmanischer Militärgouverneur im Libanon geworden. Er stammte aus Kroatien und war als Kadett zu den Türken übergelaufen. Für Metternich galt er als Deserteur und Renegat, da er freiwillig zum Islam übergetreten war. Trotzdem bekundete er seine Anhänglichkeit an Österreich. Im September 1840 lagen österreichische und britische Kriegsschiffe vor Beirut, um der Besetzung durch Mehmed Ali, den abtrünnigen Statthalter von Ägypten, ein Ende zu machen. 1858 erschien die österreichische Korvette "Erzherzog Friedrich" zu friedlichen Zwecken in libanesischen Gewässern, nämlich um das wertvolle Zedernholz abzuholen, das der maronitische Patriarch für die Wiener Votivkirche gespendet hatte.

Pläne Metternichs

Metternich verfolgte den Plan, den so genannten Mont Liban zu Gunsten der Christen in getrennte Verwaltungsbezirke zu teilen. Nach Massakern an den christlichen Maroniten griffen Mitte des 19. Jahrhunderts die europäischen Mächte ein, der Begriff der "humanitären Intervention" wurde bereits damals in französischen Parlamentsdebatten verwendet. Intrigen der die Maroniten unterstützenden Franzosen und der auf die Drusen setzenden Briten führten 1860 zu einem Gewaltausbruch, dessen Opfer vor allem Maroniten wurden. Nach Landung eines französischen Expeditionskorps zum Schutz der Christen trennte die osmanische Regierung den Mont Liban, das Hauptwohngebiet der Maroniten, von der syrischen Provinz ab und stellte einen christlichen Pascha an seine Spitze.

Das der Anfang der vierziger Jahre des vorigen Jahrhunderts souverän gewordene Libanon rot-weiß-rot als nationale Farben (mit der Zeder auf dem weißen Feld) annahm, ging auf seinen Außenminister und langjährigen Präsidenten der libanesisch-österreichischen Freundschaftsgesellschaft, Henry Pharaon, zurück, einen begeisterten Freund Österreichs und Gründer der libanesisch-österreichischen Freundschaftsgesellschaft. (APA)

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