PocketPC geht in die Oper

15. Juli 2006, 11:51
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Der deutsche oder englische Text zum "Troubadour" auf der Bregenzer Seebühne kommt über den PocketPC - der auch virtuell zum Rundgang und hinter die Bühne bittet.

Die Bregenzer Festspiele entwickelten ein neues Accessoire für Opernfreunde: den PocketPC als Textlieferanten und multimedialen Guide. Das handliche Ding in der schwarzen Softhülle heißt "Best" (Bregenzer Elektronischer Seebühnen Text) und kann für den Festspielbesuch ausgeliehen werden, damit Mitschmachten mit den Dramen auf der Seebühne einfacher wird. Denn nicht jeder, der Verdis Troubadouranschaut, kann auch Italienisch. Der Mini-PC liefert die Untertitel zum Libretto.

Klassisches funktioniert nicht

"Klassische Varianten anderer Opernhäuser funktionieren auf der Seebühne nicht", sagt Matthias Baldauf, Best-Entwickler aus der Informatik-Abteilung der Festspiele. Gängige Systeme - wie die Projektion auf Leinwände oder Displays an den Sitzen - seien für Openair-Aufführungen nicht brauchbar.

Darum suchten die Festspiele nach einer seebühnentauglichen Lösung, die der junge Informatiker schließlich selbst für PocketPCs entwickelte. Die Software des multimedialen Festival-Guides wird durch einen Mitarbeiter ganz nach Bühnengeschehen mit der Applikation BestControl ferngesteuert.

Vieles mehr

Sämtliche von BestControl gesendeten Nachrichten werden über ein drahtloses Netzwerk verteilt, dessen Empfang im gesamten Festspielareal möglich ist. Bedient wird das Gerät nicht mit einem Stift, sondern mit den Fingern. Über Mini-Touchscreen ist der Text in Deutsch und Englisch abrufbar.

Videoclips

Der Taschen-PC kann aber noch einiges mehr: Videoclips zeigen das Entstehen des Bühnenbilds und die Vorbereitungen zur Seeaufführung. Webcams führen hinter die Kulissen. Wem die Oper oder das Pausengeplauder zu langweilig ist, der kann im virtuellen Helikopter über die Bühne fliegen, einen Rundgang durch das Festspielhaus machen oder sich durch das Programm klicken - während der Aufführung aber ohne Sound, denn der wird ebenfalls zentral gesteuert.

105 Geräte stehen Festspielbesuchern leihweise zur Verfügung. Über webBest kann man auch geeignete eigene Smartphones oder PDAs zum Festspiel-Guide umfunktionieren.(Jutta Berger/DER STANDARD, Printausgabe vom 15./16..7.2006)

  • Troubadour in die Hand: Entwickler Matthias Baldauf (li.) und Intendant David Pountney
    foto: bregenzer festspiele/reinhard mohr

    Troubadour in die Hand: Entwickler Matthias Baldauf (li.) und Intendant David Pountney

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